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Dingo
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Der Dingo (Canis lupus dingocite-ref-mammal-1-0[1]) ist ein Haushund, der schon vor Jahrtausenden verwilderte und heute in vielen Teilen seines Verbreitungsgebietes in Sßdostasien und vor allem Australien vom Menschen vÜllig unabhängig lebt. Dingos werden zu den Pariahunden gezählt.
Die Bezeichnung Dingo ist meist synonym mit dem Australischen Dingo. Genetische Analysen konnten aber auch Dingopopulationen in Thailand nachweisen, wo die Tiere hauptsächlich in der Nähe der Menschen leben. Daneben gibt es andere Hundepopulationen (z. B. die Neuguinea-Dingos), die zwar eine äuĂerliche Ăhnlichkeit mit Dingos besitzen, bei denen aber bisher nicht nachgewiesen werden konnte, ob es sich tatsächlich um solche handelt.
Contents
⢠Name
⢠KÜrperbau
⢠Fell
⢠Kommunikation
⢠Bellen
⢠Heulen
⢠Lebensweise
⢠Nahrung
⢠Jagdverhalten
⢠Sozialverhalten
⢠Wanderverhalten
⢠Verbreitung
⢠Ursprßnge
⢠Schutz
⢠Ziele
⢠Kritik
⢠Ursachen
⢠Bekannte Fälle
⢠Reaktionen
⢠Literatur
⢠Deutsch
⢠Englisch
⢠Weblinks
⢠Belege
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Name
Der Dingo hat sowohl im wissenschaftlichen als auch im umgangssprachlichen Bereich mehrere Bezeichnungen, wovon das Wort âDingoâ eine der am weitesten verbreiteten ist. Daneben wird auf dem australischen Kontinent inzwischen in beiden Bereichen häufig nur noch der Begriff âWildhundâ (englisch wild dog) benutzt, der alle Dingos, Dingo-Mischlinge und meistens auch alle anderen verwilderten Haushunde umfasst (in bestimmten Fällen werden alle wildlebenden Hunde als Dingos bezeichnetcite-ref-parasite-2-0[2] oder nur Dingos und deren Mischlingecite-ref-aas-3-0[3]).cite-ref-4[4]cite-ref-canid-5-0[5] Dieser Begriff wird aber auch nicht einheitlich verwendet, schlieĂt in einigen Fällen Dingos auscite-ref-6[6] und bezieht sich in anderen nur auf Dingos und Dingomischlinge.cite-ref-7[7]
Wissenschaftliche Bezeichnungen
Der wissenschaftliche Name des Dingos veränderte sich oft seit dem Zeitpunkt seiner ersten offiziellen Namensgebung im Jahr 1792 (Canis antarcticus). Einige andere frßhe Artennamen fßr den Dingo waren C. australasiae (1820), C. australiae (1826), C. dingoides (1915), C. macdonnellensis (1915), C. novaehollandiae (1831), C. papuensis (1879) und C. harappensis (1936).cite-ref-mammal-1-1[1]
Die in den letzten 50 Jahren am häufigsten benutzte Bezeichnung fßr den Dingo lautet Canis familiaris dingo, die den Dingo als Unterart des Haushundes und den Haushund als eigene Art ansieht. In der Taxonomie zurzeit am meisten anerkannt ist die Bezeichnung Canis lupus dingo, allerdings wird dieser Name in der Literatur nicht sehr häufig verwendet.cite-ref-canid-5-1[5] Zudem wird in der derzeitigen Version von Mammal Species of the World zwar die Bezeichnung Canis lupus dingo benutzt, der Dingo allerdings nach wie vor als Haushund eingestuft.cite-ref-mammal-1-2[1] Daneben sind die Bezeichnungen Canis dingocite-ref-detour-8-0[8]cite-ref-9[9], die den Dingo als eigene Art bezeichnet, sowie Canis lupus familiaris dingocite-ref-10[10] und Canis lupus forma familiariscite-ref-beutelwolf-11-0[11] in Gebrauch.
Umgangssprachliche Bezeichnungen
In der Umgangssprache ist die am weitesten verbreitete Bezeichnung fĂźr diesen Hund das Wort âDingoâ. Sie stammt aus den frĂźhen Tagen der europäischen Besiedlung in New South Wales und leitet sich vermutlich von dem Wort Tingo ab, das die zahmen Hunde der Aborigines im Gebiet von Port Jackson bezeichnete.cite-ref-impact-12-0[12]
Je nach Sprache der Ureinwohner haben Dingos in Australien unterschiedliche Namen. Dazu zählen unter anderem Joogong, Mirigung, Noggum, Boolomo, Papa-Inura, Wantibirri, Maliki, Kal, Dwer-da, Kurpany, Aringka, Palangamwari und Warrigal.cite-ref-canid-5-2[5] Dabei ist es weit verbreitet, unterschiedliche Bezeichnungen zu verwenden, je nachdem, wo die Hunde leben.cite-ref-symposium1-13-0[13] Die Yarralin haben zum Beispiel fßr die Hunde, die bei ihnen leben, das Wort Walaku, fßr die wilden Dingos aber den Begriff Ngurakin.cite-ref-rose-14-0[14]
Je nach Gebiet werden Dingos mitunter als Bergdingos, Steppendingos, WĂźstendingos, Nord-Dingos, Kap-York-Dingos oder tropische Dingos bezeichnet. In jĂźngerer Zeit begann man, den australischen Dingo auch als âeinheimischen australischen Hundâ (englisch Australian native dog)cite-ref-breedinfo-15-0[15] oder als âaustralischen Wolfâcite-ref-16[16] zu bezeichnen. Weiterhin werden sie als âwilde Hundeâ bezeichnet, wenn sie Probleme bereiten, aber als âDingosâ, wenn die infrage kommenden wilden Hunde oder Dingos nĂźtzlich sind (in Ăśkologischer oder wirtschaftlicher Weise) oder einen Kultstatus haben (als Totem und berĂźhmtes australisches Tier).cite-ref-purcell-17-0[17]
ĂuĂere Merkmale
Der Dingo ähnelt in vielen Merkmalen sßdostasiatischen Haushunden und indischen Pariahunden. Die Augenfarbe variiert von Gelb ßber Orange bis zu Braun.
KĂśrperbau
Dingos haben einen relativ breiten Kopf, eine spitz zulaufende Schnauze und Stehohren. Im Vergleich zu anderen Haushunden gleicher GrĂśĂe haben Dingos eine längere Schnauze, grĂśĂere und längere Zähne und einen flacheren Schädel.
Der durchschnittliche Dingo hat eine SchulterhĂśhe von 52 bis 60 cm und ist von der Nase bis zur Schwanzspitze 117 bis 124 cm lang. Er wiegt 13 bis 20 kg, es wurde aber auch schon ein wilder Dingo von 27 kg Gewicht beobachtet.cite-ref-27kg-18-0[18] Männchen sind in der Regel grĂśĂer und schwerer als Weibchen gleichen Alters. Dingos aus Nord- und Nordwestaustralien sind grĂśĂer als die in Zentral- und SĂźdaustralien, und alle australischen Dingos sind grĂśĂer und schwerer als ihre asiatischen Verwandten.
Die Beine sind ungefähr halb so lang wie KĂśrper und Kopf zusammen. Die HinterfĂźĂe machen etwa ein Drittel der Hinterbeine aus und haben keine fĂźnfte Kralle.cite-ref-canid-5-3[5] Beim Dingo kĂśnnen sowohl Säbelruten (normalerweise senkrecht hochgestellt und am Ende kopfwärts geneigt) als auch ein Ăźber dem RĂźcken getragener Schwanz auftreten.
Fell
Das Fell erwachsener Dingos ist kurz, am Schwanz buschig und in Dichte und Länge je nach Klima unterschiedlich. Die Fellfarbe ist meistens rot bis sandfarben, sie kann aber auch schwarz mit braun-gelblichen Zeichnungen und gelegentlich vÜllig schwarz, hellbraun oder weià sein. VÜllig schwarze Dingos waren wohl frßher in Australien häufig, sie wurden in jßngster Zeit aber nur selten gesichtet und treten in Asien inzwischen häufiger auf als in Australien.cite-ref-impact-12-1[12]
Die meisten Dingos sind mindestens zweifarbig, wobei am häufigsten kleine weiĂe Markierungen auf der Brust, am Maul, an der Schwanzspitze und den Pfoten oder Beinen sind. Bei rĂśtlichen Individuen kommen feine markante dunkle Schulterstreifen vor. Alle anderen Färbungen und Färbungsmuster bei ausgewachsenen Dingos gelten heute als Hinweis auf eine Vermischung mit anderen Haushunden.cite-ref-canid-5-4[5] Je nachdem wie historische Berichte ausgelegt werden, werden âreineâ Dingos auch als zobel, gestromt oder schwarz-weiĂ gefärbt beschrieben.cite-ref-purcell-17-1[17]
Kommunikation
Wie alle Haushunde neigen auch Dingos stark zur lautlichen Verständigung, nur sind es in ihrem Fall meistens Heul- und FieptÜne und nicht wie bei anderen Haushunden das Bellen. Es konnten fßr australische Dingos acht Lautklassen mit 19 verschiedenen Lauttypen konkretisiert werden.
Bellen
Im Vergleich zu den meisten anderen Haushunden bellen australische Dingos kurz und einsilbig. Das Bellen erwies sich bei Untersuchungen als relativ wenig variabel, und Untergruppen des Bellens, wie bei anderen Haushunden, wurden nicht gefunden. Zudem machte das Bellen nur fĂźnf Prozent aller ermittelten LautäuĂerungen aus. Australische Dingos bellen nur geräuschhaft oder in der Mischung atonal/tonal, und das Bellen wurde fast nur als Warnlaut ausgestoĂen. Warnbellen in homotyper Sequenz und eine Art âWarnheulenâ in heterotyper Lauffolge wurden ebenfalls gezeigt. Das Bellgeheul beginnt mit mehreren BelltĂśnen und geht in an- und abschwellendes Geheul Ăźber und dient ebenso wie das Husten vermutlich dazu, Junge oder Rudelmitglieder zu warnen. Zudem besitzen Dingos noch einen âklagendenâ Ruf, der meist beim Annähern an WasserlĂścher ausgestoĂen wird, vermutlich, um schon anwesende Dingos zu warnen.cite-ref-canid-5-5[5]
Dingos lassen sich nach bisherigem Wissensstand auch bei Kontakt mit anderen Haushunden nicht zu häufigerem Bellen animieren. Alfred Brehm berichtete allerdings von einem Dingo, der vollständig die haushundtypische Form des Bellens erlernt hatte und diese auch anwendete, während sein Bruder dies nicht tat.cite-ref-brehm-19-0[19] Ob Dingos generell seltener bellen beziehungsweise bellheulen, ist nicht geklärt.cite-ref-doritausdruck-20-0[20]
Heulen
Australische Dingos haben drei Grundformen des Heulens (StÜhnen, Bellheulen und Schniefen) mit mindestens 10 Variationen. Beim Heulen wurden drei grundsätzliche Arten festgestellt:
⢠lang und anhaltend,
⢠auf- und abschwellend,
⢠kurz und abrupt.
Bei jeder Art zeigten Untersuchungen eine Reihe von Abwandlungen, die Bedeutung der einzelnen LautäuĂerungen ist jedoch nicht bekannt. Die Häufigkeit des Heulens variiert je nach Tages- und Jahreszeit und wird von Paarung, Abwanderung, Säugen, sozialer Stabilität und Zerstreuung beeinflusst. Ebenso kann das Heulen in Zeiten von Nahrungsknappheit häufiger sein, weil sich Dingos dann im Revier weiter verstreuen.cite-ref-canid-5-6[5] Das Heulen scheint zudem eine Gruppenfunktion zu haben und wird bisweilen als Ausdruck freudiger Erregung (beispielsweise als BegrĂźĂungsheulen) geäuĂert und kam bei Untersuchungen seltener vor als unter WĂślfen. Es kann vorkommen, dass ein Hund mit dem Heulen beginnt und einige oder alle allmählich in ein Chorheulen einfallen und vereinzelt Belllaute ausgestoĂen werden. In der Wildnis heulen Dingos Ăźber weite Entfernungen, um andere Rudelmitglieder anzuziehen, andere Hunde zu finden und Eindringlinge fernzuhalten. Dingos heulen mit erkennbaren TonhĂśhen im Chor und mit zunehmender Zahl der Mitglieder steigt auch die Variabilität der TonhĂśhen. Daher wird angenommen, dass Dingos die GrĂśĂe eines anderen Rudels auch ohne Sichtkontakt abschätzen kĂśnnen.
Weitere Kommunikationsformen
Bei Untersuchungen nahm das Knurren 65 % aller registrierten LautäuĂerungen ein. Es wurde stets im agonistischen Kontext sowohl bei Dominanzverhalten als auch reaktiv als Abwehrlaut geäuĂert. Reaktiv aus der Defensive konnte es (wie bei vielen anderen Haushunden) nur selten oder gar nicht registriert werden. Das Knurren kommt häufig in Kombination mit anderen Lauten vor und wurde fast ausschlieĂlich in seiner geräuschhaften Form (ähnlich wie das Bellen) registriert. Mischlaute werden relativ häufig im Kontext der Agonistik â also etwa im Kampf â ausgestoĂen, hauptsächlich Knurrmischlaute.cite-ref-doritausdruck-20-1[20]
Bei Untersuchungen in Deutschland wurde unter australischen Dingos eine LautäuĂerung festgestellt, die von den Forschern âSchrappenâ genannt wurde. Sie trat ausschlieĂlich im agonistischen Kontext auf, oftmals als Abwehr gegen aufdringliche Jungtiere und bei der Ressourcenverteilung. Dabei handelt es sich um eine BeiĂabsicht, bei der der Adressat jedoch nie berĂźhrt oder gar verletzt wird, sondern nur ein leises, aber deutliches Aufeinanderschlagen der Zähne zu hĂśren ist.cite-ref-doritausdruck-20-2[20]
Neben der Verständigung durch Laute kommunizieren Dingos wie andere Haushunde durch das Verteilen von Gerßchen ßber Scheuern, Koten und Urinieren an auffälligen Objekten, wie Grasbßscheln, und an Treffpunkten, wie Wasserstellen, Pfaden und Jagdgrßnden. Männchen markieren auch hier häufiger als Weibchen, und bei beiden sind Heulen und Markieren besonders häufig während der Paarungszeit. Ebenso wälzen sich Dingos in Gerßchen, die mit Beute oder Bekannten assoziiert werden.cite-ref-canid-5-7[5]
Lebensweise
In wärmeren Gebieten sind Dingos oft nachtaktiv, in kĂźhleren Regionen häufiger tagaktiv. Dingos haben ihre Hauptaktivitätszeiten bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Die Aktivitätsperioden sind kurz (oft weniger als eine Stunde) und mit kurzen Ruhephasen durchsetzt. Sie besitzen zwei Arten von Streifgängen: einen âSuchgangâ, der anscheinend mit der Jagd in Verbindung steht, und einen âErkundungsgangâ, der wohl dem Kontakt und der Kommunikation mit Artgenossen dient.cite-ref-22[22]cite-ref-23[23]
Generell sind Dingos Menschen gegenĂźber scheu. Es sind jedoch einige Fälle bekannt, wo sie sich von dem Anblick von Menschen wenig beeindruckt zeigten, beispielsweise an Zeltplätzen in Nationalparks, in der Nähe von StraĂen und in Vororten.cite-ref-27kg-18-1[18]cite-ref-northern1-24-0[24] Laut Studien in Queensland bewegen sich die dortigen wilden Hunde im urbanen Bereich nachts vĂśllig frei durch die GrundstĂźcke, Ăźberqueren StraĂen und kommen gut zurecht.cite-ref-25[25]
Nahrung
Bei Dingos in Australien wurden 170 Tierarten (von Insekten bis zu BĂźffeln) als Teil der Nahrung nachgewiesen, generell scheint aber der Anteil von Nutzvieh an der Nahrung gering zu sein.cite-ref-canid-5-8[5] Bei kontinentweiten Untersuchungen bestanden 80 % der Nahrung wilder Hunde aus 10 Arten: Rotes Riesenkänguru, Sumpfwallaby, Rind, DĂźsterratte, SpaltfuĂgans, Fuchskusu, Langhaarratte, Flinkwallaby, Wildkaninchen und Nacktnasenwombat. Diese enge Auswahl an Hauptbeute deutet darauf hin, dass sie eher Spezialisten als Opportunisten sind,cite-ref-impact-12-2[12] aber in den tropischen Feuchtwäldern von Nordost-Australien sollen die dortigen Dingos opportunistische Jäger eines breiten Spektrums von Säugern sein.cite-ref-26[26] In bestimmten Gebieten spezialisieren sie sich fĂźr gewĂśhnlich auf die jeweils häufigste Beute, wobei mittelgroĂe bis groĂe Säuger bevorzugt werden. Es wurde auch der Verzehr von RotfĂźchsen und Hauskatzen nachgewiesen.cite-ref-regulator-27-0[27] Nichtsäuger werden nur gelegentlich gefressen und machen nicht mehr als zehn Prozent der Nahrung aus. GroĂe Reptilien werden zumindest in Ostaustralien nur selten erbeutet, obwohl sie weit verbreitet sind. MĂśglicherweise sind vor allem groĂe Warane zu wehrhaft und gut bewaffnet oder einfach fähig, schnell genug in Baue oder auf Bäume zu flĂźchten.
Die Zusammensetzung der Nahrung variiert von Region zu Region. So stellen in der Golfregion von Queensland verwilderte Hausschweine und Flinkwallabys einen wichtigen Teil der Nahrung dar. In den nĂśrdlichen Feuchtwäldern besteht die Hauptbeute aus SpaltfuĂgänsen, Nagetieren und Flinkwallabys. In den sĂźdlichen Gebieten des Nord-Territoriums aus Kaninchen, Nagetieren, Echsen und Roten Riesenkängurus, im trockenen Zentralaustralien aus Kaninchen, Nagetieren, Eidechsen (besonders in der TanamiwĂźstecite-ref-28[28]), Roten Riesenkängurus und Rinderkadavern und im trockenen Nordwesten aus Berg- und Roten Riesenkängurus. In den WĂźsten des SĂźdwestens fressen sie hauptsächlich Kaninchen und in den Ăśstlichen und sĂźdĂśstlichen Hochlanden Wallabys, Possums und Wombats. Inwieweit die VerfĂźgbarkeit von Kaninchen die Zusammenstellung der Nahrung beeinflusst, ist noch nicht geklärt, da aber zum Ende des 20. Jahrhunderts die Anzahl der Kaninchen in Australien aufgrund der Chinaseuche stark abnahm, wird angenommen, dass sich die Hauptnahrung der Dingos in den betroffenen Gebieten verändert hat. Auf Kâgari wurden auch Fische als groĂer Teil der Nahrung nachgewiesen. Der Hauptteil bestand aber aus zwei Bandicoot- und verschiedenen Rattenarten. Ebenso fraĂen sie relativ groĂe Mengen an Echidnas, Krabben, kleinen Skinks, FrĂźchten und anderen Pflanzen, sowie Insekten (meistens Käfer). Bei diesen Untersuchungen enthielten nur zehn Prozent der Kotproben menschliche Abfälle (in einer frĂźheren Studie wurden 50 % berichtet).
Im Fall von Aas werden vor allem Rinder und Kängurus gefressen (auch Kamele wurden nachgewiesencite-ref-kamel-29-0[29]). Dingos in KĂźstenregionen patrouillieren regelmäĂig an den Stränden und fressen dort tote Fische, Seehunde, Pinguine und andere angeschwemmte VĂśgel.cite-ref-impact-12-3[12] Auch das PlĂźndern von Krokodil-cite-ref-30[30] und SchildkrĂśtennesterncite-ref-31[31], sowie Fälle von Kannibalismuscite-ref-symposium1-13-1[13] wurden nachgewiesen.
In Asien leben nur wenige Dingos vĂśllig unabhängig vom Menschen, und ihre Hauptnahrung besteht aus Kohlenhydraten (Reis, FrĂźchte und andere Essensreste), die von Menschen bereitgestellt werden. In ländlichen Gegenden Thailands und Sulawesis wurden Dingos beobachtet, die Insekten, Ratten, Echsen und andere lebende Beute entlang der StraĂen, in Reisfeldern und Wäldern jagten.cite-ref-canid-5-9[5]
Wilde Hunde trinken in der Regel pro Tag im Sommer etwa einen Liter und im Winter zirka einen halben Liter. Im Winter kÜnnen Dingos in trockenen Gebieten eventuell nur von dem Wasser leben, das sie aus ihrer Beute beziehen, sofern genug Beute vorhanden ist. Ebenso kÜnnen entwÜhnte Welpen in Zentralaustralien ihr ganzes Wasser aus der Nahrung beziehen. Dort wurde auch beobachtet, wie Weibchen ihren Jungen Wasser hervorwßrgten. Während der Stillzeit haben Weibchen in Gefangenschaft keinen hÜheren Wasserbedarf als sonst, da sie die Fäkalien und den Urin der Welpen fressen und damit sowohl das Wasser wiederverwerten als auch die WurfhÜhle sauber halten.cite-ref-impact-12-4[12]
Jagdverhalten
Dingos tĂśten oft durch Kehlbiss und passen ihr Jagdverhalten den jeweiligen Gegebenheiten an. Die VerfĂźgbarkeit von Beute (in Bezug auf Jagdaufwand) scheint dabei von grĂśĂerer Bedeutung zu sein als die Menge der vorhandenen Beutetiere, und die flexible soziale Organisation der Dingos erlaubt vielseitige Jagdstrategien und Ressourcenverteidigung.cite-ref-32[32] Die Jagd auf groĂe Beutetiere benĂśtigt wegen deren Kraft und der potentiell von ihnen ausgehenden Gefahr in der Regel zwei oder mehr Individuen. Solche Gruppenformationen sind bei der Jagd auf Kaninchen und andere kleine Lebewesen unnĂśtig.
Jagd auf Kängurus ist in offenem Land vermutlich erfolgreicher als in dichter Vegetation und Junge werden dabei wohl Ăśfter getĂśtet als ausgewachsene Tiere. Sie werden meistens erlegt, indem ein Dingo ein Känguru den anderen Rudelmitgliedern zutreibt. Zudem wurde auch beobachtet, wie Dingos Kängurus erlegen, indem sie ihre Beute auf einen Zaun zujagen, der diesen den Weg verstellt,cite-ref-corbett-33-0[33] oder in seichtes Wasser treiben.cite-ref-34[34] VĂśgel kĂśnnen erbeutet werden, wenn sie nicht fliegen oder nicht schnell genug vom Boden abheben kĂśnnen. Dingos jagen auch beispielsweise Adlern die erlegte Beute ab. Eine Zusammenarbeit von drei Dingos zum Erlegen eines groĂen Warans konnte beobachtet werdencite-ref-35[35] und auf Kâgari sollen sie koordiniert wilde Pferde erbeutet haben.cite-ref-fraser2-36-0[36] Ebenso wurde dort aktives Fischfangverhalten nachgewiesen. Es gibt auch Berichte, wonach sich einige Dingos dort praktisch nur von menschlichem Essen ernähren und andere mehr oder weniger oft menschliche Nahrung stehlen, auflesen oder darum betteln. Tatsächlich sind Dingos in einigen Gegenden Australiens fĂźr solches Verhalten bekannt. Es wird angenommen, dass dies mĂśglicherweise zum Verlust von Jagdtechniken und Ănderungen in sozialen Strukturen fĂźhren kĂśnnte.cite-ref-fraser1-37-0[37]
Bei Untersuchungen am Fortescue-Fluss Mitte der 1970er-Jahre wurde beobachtet, wie die meisten der beobachteten Dingos schnell lernten, Schafe zu jagen und zu tĂśten, auch wenn sie vorher nie Kontakt zu Schafen hatten. Obwohl die Dingos damals viele Schafe tĂśteten, erlegten und fraĂen sie nach wie vor Kängurus. In den frĂźhen 1990er-Jahren wurde beobachtet, dass wilde Hunde bei der Jagd auf Schafe eine auĂerordentlich hohe Erfolgsquote haben und nicht koordiniert jagen mĂźssen, um sie zu erlegen. Oft verfolgte ein Hund ein Schaf nur und holte es sogar ein, nur um dann plĂśtzlich ein anderes zu verfolgen. Somit werden nur wenige der verletzten oder erlegten Schafe und Ziegen auch gefressen (was eher die Regel als die Ausnahme zu sein scheint). Vermutlich verfallen sie aufgrund des eher panischen und unkoordinierten Fluchtverhaltens der Schafe in eine Art âTĂśtungsrasereiâ, da die Schafe den Dingos immer wieder vor die Nase laufen und so eine Attacke nach der anderen auslĂśsen. Dingos greifen Schafe oft von hinten an, während diese weglaufen, wodurch Verletzungen an den Hinterbeinen entstehen. Dabei werden die SchafbĂścke in der Regel von der Seite â vermutlich um den HĂśrnern der BĂścke auszuweichen â und manchmal an den Hoden angegriffen. Unerfahrene Dingos oder solche, die âaus SpaĂâ tĂśten, verursachen mitunter erheblichen Schaden an den Hinterbeinen von Schafen, die oft zum Tod fĂźhren.cite-ref-hunting-38-0[38]cite-ref-sheepusa-39-0[39]
Fast alle Angriffe wilder Hunde auf Rinder und BĂźffel richten sich gegen Jungtiere. Der Jagderfolg hängt dabei von der Gesundheit und Kondition der erwachsenen Rinder und ihrer Fähigkeit ab, die Jungen zu verteidigen. Das Verteidigungsverhalten der Mutterkuh kann schon ausreichen, um einen Angriff abzuwehren. Die Grundtaktiken sind daher: Ablenken der Mutterkuh, Aufscheuchen der Gruppe und Beobachten und Warten (mitunter stundenlang), um die schwächsten Mitglieder ausfindig zu machen. Beim Auffinden einer Rinderherde wurde beobachtet, wie die Dingos zuerst mehrere Scheinangriffe durchfĂźhrten, wobei sie sich zuerst auf die Kälber konzentrierten und später die MutterkĂźhe angriffen, um sie abzulenken. Die Dingos zogen sich daraufhin zurĂźck und warteten in einiger Entfernung ab, bis die Ăźbrigen KĂźhe ihre Kälber gesammelt hatten und abzogen. Bei anderer Gelegenheit wurde beobachtet, wie âUntergruppenâ eines Dingo-Rudels sich bei einem Angriff so lange mit Angreifen und Ausruhen abwechselten, bis die Mutterkuh zu erschĂśpft war, um das Kalb weiterhin ausreichend verteidigen zu kĂśnnen. Bei der Jagd von sechs Dingos auf einen vermutlich 200 kg schweren BĂźffel wechselten die Dingos sich mit dem BeiĂen in die Beine des BĂźffels während der Verfolgung ebenfalls ab.cite-ref-impact-12-5[12]cite-ref-40[40]
Sozialverhalten
Bei Untersuchungen zur Fähigkeit von an Menschen sozialisierten Australischen Dingos, menschliche Fingerzeichen zu erkennen, absolvierten alle untersuchten Dingos (mit individueller Variation) die Tests mit einer Erfolgsquote, die Zufall ausschlieĂt. Zwar gab es Unterschiede zu anderen getesteten Haushunden, aber die Dingos wichen doch stark von GrauwĂślfen ab. Daraus wurde gefolgert, dass Dingos beim Erkennen menschlicher Fingerzeichen zwischen GrauwĂślfen und anderen Haushunden liegen.cite-ref-41[41] Weiterhin schnitten in Gefangenschaft aufgewachsene Dingos bei ProblemlĂśsungsaufgaben, die verlangten, dass das Individuum eine durchsichtige Barriere umgeht, um eine Belohnung zu erhalten, besser ab als die zuvor in anderen Studien untersuchten Haushunde.cite-ref-detour-8-1[8]
Obwohl Dingos in der Regel allein beobachtet werden (besonders in Gebieten, in denen der Dingo bekämpft wurde), gehĂśren die meisten zu einer sozialen Gruppe, deren Mitglieder sich gelegentlich treffen und während der Paarungszeit dauerhaft zusammen sind, um sich fortzupflanzen und Junge aufzuziehen. Dingos sind in der Regel hochsoziale Wesen und formen, wo sie kĂśnnen, stabile Rudel mit festen Revieren, deren GrĂśĂe vom Nahrungsangebot abhängtcite-ref-42[42] und die sich nur wenig mit denen benachbarter Rudel Ăźberschneiden. Eindringlinge werden meistens getĂśtet. Die Rudel bestehen in der Regel aus drei bis zwĂślf Individuen (meist dem Alpha-Paar sowie dem aktuellen Nachwuchs und dem des Vorjahres), die ein Territorium das ganze Jahr Ăźber besetzen. Es gibt aber regionale Varianten, die die flexible soziale Struktur der Dingos zeigen. Anscheinend fĂśrdert die Spezialisierung auf grĂśĂere Beute soziales Verhalten und die Formierung grĂśĂerer Gruppen. Während DĂźrrezeiten splittern sich Dingo-Rudel in Australien auf und die Sterblichkeit ist fĂźr alle Rudelmitglieder hoch, unabhängig vom sozialen Status.
Rudel haben unterschiedliche (aber nicht vÜllig unabhängige) Hierarchien fßr Männchen und Weibchen, wobei die Rangordnung besonders unter Männchen hauptsächlich durch ritualisierte Aggression hergestellt wird. Imponieren und agonistisches Verhalten tritt bei australischen Dingos nur reduziert auf. Ernstkämpfe wurden nur in wenigen Fällen und unter extremen Bedingungen beobachtet. RanghÜhere Hunde zeigen dieses Verhalten gelegentlich, um ihren Status zu untermauern, während rangniedrige eher konfliktvorbeugendes Verhalten zeigen.
GrĂśĂere Rudel sind oft in Teilgruppen flexiblerer GrĂśĂe und Zusammensetzung aufgeteilt. Daneben kĂśnnen in bereits besetzten Gebieten auch einige Einzelgänger mit losem Kontakt inklusive Beteiligung am Nahrungserwerb bei den Gruppen leben. WĂźstengebiete weisen kleinere Gruppen von Dingos mit loserem Territorialverhalten und Ăźberlappender Nutzung der wenigen Wasserstellen auf.cite-ref-43[43] Bei Dingos auf Kâgari betrug die RudelgrĂśĂe zwei bis neun Hunde mit Ăźberlappenden Territorien. Allerdings gab es dort auch einen sehr hohen Anteil von Infantizid, vermutlich aufgrund der mĂśglicherweise zu hohen Dingodichte im Verhältnis zur GrĂśĂe der Insel und der Beutepopulationen.cite-ref-fraser1-37-1[37]
TerritoriumsgrĂśĂe und individuelle Gebiete verändern sich je nach VerfĂźgbarkeit von Beute, stehen aber nicht in Verbindung mit der RudelgrĂśĂe. Wilde Hunde bewegen sich nur wenig auĂerhalb ihrer Territorien. Die Gebiete einzelner Individuen kĂśnnen sich stark Ăźberlappen. Wenn sich die Territorien benachbarter Rudel Ăźberlappen, wird direkter Kontakt weitestgehend vermieden. Wie groĂ das Territorium und damit die Streifgebiete der Hunde sind, hängt zum groĂen Teil von der VerfĂźgbarkeit von Ressourcen ab. Streifgebiete sind in der Regel stabil, kĂśnnen sich aber mit der Zeit aufgrund äuĂerer Umstände oder Veränderungen in der sozialen Organisation ändern. Individuen, die sich vom Rudel zu lĂśsen beginnen, haben grĂśĂere Streifgebiete, bevor sie letztlich abwandern.
Territorien um Gebiete, die von Menschen genutzt werden, sind meist kleiner und enthalten wegen der leichteren VerfĂźgbarkeit von Nahrung eine vergleichsweise hohe Zahl an Dingos. Laut Studien in Queensland haben die dortigen wilden Hunde im urbanen Bereich kleinere Territorien von mitunter nur zwei bis drei Kilometern im Durchmesser. Es wurde bereits ein Revier eines einzelnen Dingos nachgewiesen, das nur aus einem kleinen Flecken Buschland am Rand einer Grundschule im Herzen einer groĂen Kleinstadt bestand.cite-ref-27kg-18-2[18]
Die meisten Dingos bleiben in der Nähe ihres Geburtsgebietes und wandern pro Tag nicht mehr als 20 km, aber einige, besonders junge Männchen, wandern ab. Die GrĂśĂe der Streifgebiete von Individuen nimmt mit dem Alter zu. Die grĂśĂten beobachteten Streifgebiete (90â300 km²) gibt es in den WĂźsten SĂźdwestaustraliens. Im Zentrum des Nord-Territoriums wurden Streifgebiete von bis zu 270 km² beobachtet.cite-ref-nord-44-0[44] Streifgebiete anderswo betragen 45â113 km² in Nordwestaustralien, 25â67 km² in Zentralaustralien, durchschnittlich 39 km² im tropischen Norden und 10â27 km² in den Bergwäldern Ostaustraliens.
Fortpflanzung und Jungenaufzucht
Dingos pflanzen sich einmal im Jahr fort, abhängig vom Ăstrus-Zyklus der Weibchen, die nach den meisten Quellen nur einmal im Jahr in Ăstrus kommen. DingohĂźndinnen kĂśnnen zweimal im Jahr läufig werden (mit allen Läufigkeitssymptomen), aber nur einmal trächtig und beim zweiten Mal hĂśchstens scheinträchtig (bzw. es kommt gar nicht erst zur Kopulation).cite-ref-45[45]cite-ref-46[46]cite-ref-47[47]
Die Männchen sind in den meisten Gebieten das ganze Jahr Ăźber zeugungsfähig, haben aber im Sommer meist eine geringere Spermienproduktion. Bei Untersuchungen an Dingos aus den Ăśstlichen Hochländern und Zentralaustralien in Gefangenschaft konnte bei den Männchen ebenfalls kein Fortpflanzungszyklus festgestellt werden, sie waren das ganze Jahr Ăźber zeugungsfähig. Die Fortpflanzung wurde allein durch die Hitzezyklen der Weibchen gesteuert. Zwar stieg der Testosteronspiegel der Männchen während der Paarungszeit an, dies wurde aber auf die Anwesenheit läufiger Weibchen und Kopulationen zurĂźckgefĂźhrt. Im Gegensatz dazu gab es bei gefangenen Dingomännchen aus Zentralaustralien sehr wohl Hinweise auf einen Fortpflanzungszyklus der Männchen. Diese zeigten an läufigen HĂźndinnen (in dem Fall keine Dingos) auĂerhalb der Paarungszeit von Januar bis Juli kein Interesse und paarten sich auch nicht mit ihnen.cite-ref-48[48]
Die Paarungszeit liegt in Australien zwischen März und Mai (laut anderen Quellen April und Juni). In SĂźdostasien erfolgt die Paarung zwischen August und September. Während dieser Zeit kĂśnnen Dingos ihre Territorien aktiv verteidigen und nutzen dabei LautäuĂerungen, Dominanzverhalten, Knurren und BeiĂen.
Die meisten Weibchen beginnen in der Wildnis mit der Fortpflanzung im Alter von zwei Jahren, und in Rudeln neigt das Alpha-Weibchen dazu, vor den rangniedrigeren Weibchen paarungsbereit zu sein und kann deren Fortpflanzungsbestreben unterdrĂźcken. Männchen werden im Alter von ein bis drei Jahren fortpflanzungsfähig. Bei Männchen und Weibchen wurde aber auch schon eine Fortpflanzungsfähigkeit im Alter von sieben Monaten festgestellt.cite-ref-hundaufdu-49-0[49] Der präzise Beginn und das AusmaĂ der Fortpflanzung variiert mit dem Alter, sozialem Status, geographischem Spielraum und jahreszeitlichen Bedingungen. Bei Dingos in Gefangenschaft dauerten VorĂśstrus und Ăstrus zehn bis zwĂślf Tage. Es wird aber vermutet, dass der VorĂśstrus in der Wildnis bis zu 60 Tage anhalten kĂśnnte.cite-ref-canid-5-10[5] In einem Rudel pflanzt sich in der Regel nur das Alpha-Paar erfolgreich fort und die anderen Rudelmitglieder helfen bei der Aufzucht der Welpen. Rangniedrige Individuen werden durch das Alphapaar aktiv von der Fortpflanzung abgehalten und einige rangniedere Weibchen kommen in eine Scheinschwangerschaft. Durch das Aufbrechen der Rudelstruktur, beispielsweise durch TĂśtungen, kĂśnnen auch rangniedrige Individuen eines Rudels erfolgreich Aufzucht von eigenen Jungen betreiben und es gab Beobachtungen von gelungenen Fortpflanzungen von Einzelgängern.
Die Tragezeit beträgt 61 bis 69 Tage und die WurfgrĂśĂe kann von eins bis zehn Welpen gehen (in der Regel fĂźnf Welpen), wobei die Zahl der Männchen meist hĂśher ist. Welpen von rangniedrigen HĂźndinnen werden von der Alpha-HĂźndin getĂśtet, wodurch eine ErhĂśhung der Population auch in guten Jahren eher gering ist. MĂśglicherweise ist dieses Verhalten zur Populationskontrolle eine Anpassung an die unbeständigen Umweltbedingungen Australiens. Welpen werden in Australien in der Regel zwischen Mai und August (also im Winter) geworfen. In tropischen Regionen kann es zu jeder Zeit im Jahr zur Fortpflanzung kommen.
Die Welpen verlassen die WurfhĂśhle erstmals im Alter von drei Wochen und verlassen sie vĂśllig mit acht Wochen. Die WurfhĂśhlen liegen in Australien meist unter der Erde. Berichtet wurden HĂśhlen in vergrĂśĂerten Kaninchenbauen, Felsformationen, unter GerĂśll in trockenen Flussbetten, unter groĂen Spinifex-GrasbĂźscheln, in hohlen Baumstämmen, unter umgestĂźrzten Bäumen, zwischen vorstehenden Baumwurzeln, in vergrĂśĂerten WaranhĂśhlen und alten Wombatbauen. Die Welpen streunen in der Regel im Umkreis von drei Kilometern um die WurfhĂśhle umher und werden bei längeren Strecken von älteren Hunden begleitet. Die Umstellung auf feste Nahrung erfolgt meist durch alle Mitglieder des Rudels im Alter von neun bis zwĂślf Wochen. Die Jungen lernen neben eigener Erfahrung durch Beobachtungen der Eltern.cite-ref-ian-50-0[50] Die Jungtiere werden gewĂśhnlich im Alter von drei bis sechs Monaten selbständig, oder sie verlassen das Rudel mit zwĂślf Monaten freiwillig, wenn die nächste Paarungszeit beginnt.
Wanderverhalten
Meistens sind Dingos standorttreu und wandern nicht saisonal. Wenn aber Nahrung in âsicherenâ Gebieten rar wird, wandern Dingos in land- und viehwirtschaftliche Gebiete ab, in denen intensive menschliche EindämmungsmaĂnahmen vorhanden sind. Schon in den 1970er-Jahren wurde in Westaustralien festgestellt, dass junge Hunde dabei weite Strecken zurĂźcklegen kĂśnnen. Ungefähr zehn Prozent der damals gefangenen Hunde â alle jĂźnger als zwĂślf Monate â wurden später weit entfernt vom ersten Standort wieder eingefangen. Bei diesen zehn Prozent lag die zurĂźckgelegte Entfernung fĂźr Männchen bei 21,7 km und fĂźr Weibchen bei elf Kilometercite-ref-western-51-0[51] (bei anderen Untersuchungen wurde sogar Rudelwanderung beobachtetcite-ref-52[52]). Dabei hatten wandernde Dingos geringere Ăberlebenschancen in fremden Territorien und es gilt daher als unwahrscheinlich, dass sie lange Wanderungen durch besetzte Gebiete Ăźberleben wĂźrden. Die Seltenheit langer Wanderungen scheint diese Annahme zu bestätigen. Bei Untersuchungen in den Nullarbor-Ebenen wurden noch weitere Wanderungen festgestellt. Die längste Wanderroute eines mit einem Sender ausgestatteten Dingos betrug ungefähr 250 km und bei Beobachtungen in Victoria wurde ein Hund beobachtet, welcher eine Entfernung von 230 km innerhalb von 9 Tagen zurĂźcklegte.cite-ref-53[53]
Gesundheit und Sterblichkeit
Dingos sind fĂźr dieselben Krankheiten anfällig wie andere Haushunde. Bisher konnten 38 Arten von Parasiten und Krankheitserregern bei australischen Dingos festgestellt werden. Der GroĂteil dieser Erkrankungen hat nur geringen Einfluss auf das Ăberleben erwachsener wilder Hunde. Zu den Ausnahmen gehĂśren Staupe, HakenwĂźrmer und HerzwĂźrmer in Nordaustralien und dem sĂźdĂśstlichen Queensland. Welpen werden ebenfalls von LungenwĂźrmern, PeitschenwĂźrmern, Hepatitis, Kokzidien, Läusen und Zecken getĂśtet. Räude ist eine weit verbreitete parasitäre Erkrankung in den Dingopopulationen Australiens, aber nur selten kräftezehrend. Wilde Hunde sind die Endwirte fĂźr Echinokokkose-BandwĂźrmer und haben eine Infektionsrate von 70 bis 90 %, sie sterben aber nicht an ihnen. Laut einer Studie in Queensland stellen die Krankheiten der Hunde im urbanen Bereich nur eine relative geringe Gefahr fĂźr Mensch und Haustier dar.cite-ref-parasite-2-1[2]
Die Angaben ßber das durchschnittliche Alter von Dingos in der Wildnis schwanken zwischen fßnf und zehn Jahren. In Gefangenschaft wird ein Alter von 13 bis 15 Jahren,cite-ref-breedinfo-15-1[15] in Ausnahmefällen sogar bis zu 24 Jahrencite-ref-freunde-55-0[55] beobachtet. Dingos werden hauptsächlich von Menschen, Krokodilen sowie anderen Haushunden, Dingos eingeschlossen, getÜtet. Als weitere Ursachen fßr Dingosterblichkeit gelten Verhungern und/oder Dehydrierung während Dßrreperioden oder nach schweren Buschbränden, Infantizid, Schlangenbisse, TÜtungen von Welpen durch Keilschwanzadler sowie Verletzungen durch Bßffel und Hausrinder.
Verbreitung
Bei Dingos kann nur eine grobe Einteilung ihres Verbreitungsgebietes mit der entsprechenden Populationsdichte vorgenommen werden. Exakte Angaben Ăźber die Verbreitung von Dingos und anderen Haushunden zu machen, ist schwierig, da die genauen AusmaĂe der Vermischung von Dingos mit anderen Haushunden nicht bekannt sind. Daher beziehen sich die folgenden Angaben zur Verbreitung von Dingos auf Hunde, die basierend auf Fellfarbe, KĂśrperform und Fortpflanzungszyklus dem Dingo zugeordnet wurden und Karten zum Verbreitungsgebiet kĂśnnen sich auch widersprechen.
Verbreitung in der Vergangenheit
Basierend auf fossilen, molekularen und anthropologischen Hinweisen wird angenommen, dass Dingos einst eine weitreichende Verbreitung gehabt haben kÜnnten. Die damaligen Dingos hätten daher mit nomadischen Jäger-und-Sammler-Gesellschaften und später den aufblßhenden agrarwirtschaftlichen BevÜlkerungszentren in Verbindung gestanden. Dort seien sie gezähmt und nachfolgend durch die Welt transportiert worden. Als älteste Dingofossilien gelten Funde aus Thailand und Vietnam, die auf etwa 5500 Jahre beziehungsweise 5000 Jahre geschätzt wurden. In den indonesischen Hochländern variiert das Alter der Funde von maximal 5000 Jahren bis (meistens) 2500 bis 3000 Jahren.
Die Debatte, ob Dingos in Australien heimisch sind, wurde fĂźr viele Jahre oft gefĂźhrt, und sein Status kam mit dem Aufkommen des Schutzes heimischer Tiere unter genauere Untersuchung.cite-ref-dualism-56-0[56] UrsprĂźnglich nahm man an, dass der Dingo durch die Aborigines im Pleistozän in Australien eingefĂźhrt wurde, was zur Verwirrung in Bezug auf die Nomenklatur des Dingos fĂźhrte. Heute geht man meistens davon aus, dass der Dingo vor 4000 Jahren in Australien ankam, da die frĂźhesten stichhaltigen archäologischen Hinweise auf Dingos auf ein Alter von circa 3500 Jahren datiert und Fossilien aus ungefähr dieser Zeit in ganz Australien gefunden wurden, was fĂźr eine schnelle Besiedlung spricht. Funde aus Tasmanien, das vor etwa 12.000 Jahren durch den Anstieg des Meeresspiegels vom Kontinent getrennt wurde, fehlen. Daher deuten archäologische Daten auf eine Ankunft vor 3500 bis maximal 12.000 Jahren hin. Um Australien von Asien aus zu erreichen, hätten selbst bei niedrigstem Meeresspiegel mindestens 50 km offene See Ăźberquert werden mĂźssen. Da es keinen Fall eines groĂen Landtieres gibt, das solch eine Reise von allein geschafft hätte, wurden die Vorfahren der heutigen Dingos hĂśchstwahrscheinlich von asiatischen Seefahrern mit Booten dorthin gebracht.cite-ref-herkunft-57-0[57] Ein Tanz der einheimischen BevĂślkerung entlang der KĂźstenregionen von Kimberley, bei dem sie Hunde darstellen, die aufgeregt auf einem Boot hin und her rennen und letztendlich ins Wasser springen, wird als weiterer Hinweis der Einfuhr der Dingos durch Seefahrer gewertet.cite-ref-broadcast-58-0[58] Vermutlich dienten diese Hunde den Seefahrern als Nahrung, eventuell auch als Wachhunde. MĂśglicherweise kam der Dingo im Zuge der Ausbreitung der austronesischen Kultur nach Australien und auf die Inseln SĂźdostasiens und des Pazifiks.
Es gibt zwei Haupthypothesen zum geographischen Ursprung und zum Wanderweg der Vorfahren des heutigen Dingos und deren Ankunft in Australien:cite-ref-59[59]
⢠Ein Ursprung in Ostasien und eine Wanderroute ßber die sßdostasiatischen Inseln aufgrund der Nähe zu Australien und der relativ leichten Erreichbarkeit ßber die Inseln des sßdostasiatischen Archipels. Diese Theorie wird durch genetische Untersuchungen an mtDNA von australischen Dingos unterstßtzt.cite-ref-herkunft-57-1[57]
⢠Eine Einfuhr von Schäferhunden aus dem Industal in Asien Ăźber die Insel Timor durch indische Seefahrer, basierend auf der Ăhnlichkeit in der Anatomie des Skeletts von indischen Pariahunden und indischen WĂślfen. Zudem wird bei dieser Theorie angefĂźhrt, dass die ältesten Knochenfunde 4000 Jahre alt sind und auf Timor gefunden wurden, wo sie eine Zeitlang mit Schafen und Schweinen koexistierten. Diese Theorie wĂźrde durch die Annahme unterstĂźtzt, dass das zeitgleiche Auftauchen gewisser Steinwerkzeuge in Australien durch Indien beeinflusst wurde, die aber von anderer Seite bestritten wird.
Ob es mehrere AnkĂźnfte von Dingos oder nur eine einzige in Australien gegeben hat, ist noch nicht geklärt. Die Ergebnisse von genetischen Untersuchungen, die 2011 verĂśffentlicht wurden, deuten allerdings darauf hin, dass Dingos im Zeitraum von vor 4600 bis 18300 Jahren in Australien ankamen. Diese Untersuchungen deuteten fĂźr Dingos, Neuguinea-Dingos und Polynesische Haushunde ebenfalls auf eine EinfĂźhrung (und mĂśglichen gemeinsamen Ursprung) nach Indonesien und SĂźdostasien von SĂźd-China aus hin und nicht Ăźber Taiwan und die Philippinen wie in einigen Theorien zu einem Polynesischen Ursprung geäuĂert.cite-ref-polynasia-60-0[60] Eine Mitte 2018 publizierte neue Datierung der ältesten jemals gefundenen Dingoknochen mit der Radiokarbonmethode ergab ein Alter von 3348 und 3081 Jahren. Es kĂśnnte somit sein, dass die Verbreitung von Dingos in Australien erst vor etwa 3500 Jahren begann.cite-ref-61[61]
Die erste offizielle Erwähnung eines âwilden Hundesâ in Australien stammt aus dem Jahr 1699 von Kapitän William Dampiercite-ref-62[62]. Damals waren Dingos wohl Ăźber den ganzen Hauptteil Australiens verbreitet und lebten sowohl wild als auch zusammen mit den Aborigines. Sie wurden von den europäischen Siedlern meistens toleriert und mitunter zu sich genommen. Die Zahl der Dingos war damals aber vermutlich niedrig und die Häufigkeit der Dingos hat sich seitdem in einigen Teilen Australiens erhĂśht. Die Situation einer hohen Populationsdichte von wild lebenden und sich selbst versorgenden Dingos kĂśnnte erst ein Phänomen der letzten 200 Jahre sein.cite-ref-paddle-63-0[63] Ihre Zahl nahm wahrscheinlich in den 1880er-Jahren durch die Etablierung der Weidewirtschaft und artesischen Wasserstellen stark zu und hatte in den 1930er bis 1950er Jahren wohl ihren HĂśhepunkt. Danach blieb sie hoch, allerdings hat der Anteil der Dingomischlinge mit der Zeit stark zugenommen.
Heutige Verbreitung
Dingos bewohnen heute alle Biotope, eingeschlossen schneebedeckte Bergwälder in Ostaustralien, trockene heiĂe WĂźsten in Zentralaustralien, sowie tropische Feuchtgebiete in Wäldern Nordaustraliens. Die Abwesenheit von Dingos in vielen Grasländern Australiens beruht auf der Verfolgung durch den Menschen. Basierend auf Schädelmerkmalen, GrĂśĂe, Fellfarbe und Fortpflanzung, scheint es regional verschiedene Populationen zwischen Asien und Australien, aber nicht innerhalb Australiens zu geben.
Heute besteht die Gesamtpopulation von wilden Hunden auf dem australischen Kontinent neben dem Dingo aus einer breiten Palette von verwilderten Haushunden (meistens Mischlingshunde oder Dingomischlinge) mit enormer farblicher Variabilität. Aufgrund der erhÜhten Verfßgbarkeit von Wasser, heimischer und eingefßhrter Beute, sowie Nutzvieh und Nahrung aus Menschenhand gilt ihre Zahl in Australien als steigend. Aus einigen Teilen Australiens gibt es Berichte, wonach wilde Hunde jetzt im Rudel jagen, obwohl sie frßher einzeln gejagt haben.cite-ref-64[64] Die Dichte von wilden Hunden variiert zwischen 0,03 und 0,3 Individuen pro km² je nach Biotop und Verfßgbarkeit von Beute.
âReineâ Dingos gelten in Nord-, Nordwest- und Zentralaustralien als weit verbreitet, selten in SĂźd- und Nordostaustralien und mĂśglicherweise als ausgestorben in den sĂźdĂśstlichen und sĂźdwestlichen Gebieten. Die Etablierung der Landwirtschaft fĂźhrte zu einem starken RĂźckgang der Dingos, und sie wurden aus den Gebieten der Schafindustrie praktisch vertrieben. Das betrifft vor allem weite Teile von SĂźd-Queensland, New South Wales, Victoria und South Australia. Durch die Errichtung des Dingozaunes wird diese Situation aufrechterhalten. Auch wenn Dingos in den meisten Gebieten des sĂźdlichen SĂźdaustraliens ausgelĂśscht wurden, existieren sie noch auf etwa 58.000 km² im trockenen Norden nĂśrdlich des Hundezaunes und damit auf etwa 60 % des gesamten Gebietes. In Victoria konzentrieren sich wilde Hunde heute auf die dicht bewaldeten Regionen der Ăśstlichen Hochländer, von der Grenze zu New South Wales sĂźdlich bis nach Healesville und Gembrook. Ebenso existieren sie in der GroĂen WĂźste im Nordwesten des Staates. Populationen von wilden Hunden existieren in New South Wales heute hauptsächlich entlang des Australischen Berglandes und den Hinterländern an der KĂźste, sowie im Sturt-Nationalpark im Nordwesten des Staates. Im Rest des Kontinents gelten Dingos als weit verbreitet, mit Ausnahme der trockenen Ăśstlichen Hälfte Western Australias. In den angrenzenden Gebieten South Australias und des Northern Territory gelten sie von Natur aus als selten. Im Northern Territory sind wilde Hunde weit verbreitet, mit Ausnahme der Tanami und der Simpson-WĂźste, wo sie aufgrund von fehlenden Wasserstellen selten sind. Lokale Konzentrationen von Dingos gibt es dort in Gebieten mit kĂźnstlichen Wasserstellen. Laut DNA-Untersuchungen im Jahr 2004 leben auf dem damaligen Fraser Island ausschlieĂlich âreineâ Dingos.cite-ref-65[65] Allerdings kamen Schädeluntersuchungen in den 1990er-Jahren zu einem anderen Ergebnis.cite-ref-66[66]
AuĂerhalb Australiens gibt es Dingos nachweislich in Thailand, basierend auf Vergleichen von Schädeln thailändischer Hunde mit denen fossiler und gegenwärtiger Dingos aus Australien. Die dortige Population hat eventuell den grĂśĂten Anteil an âreinenâ Dingos. Sie sind in Nord- und Zentralthailand weit verbreitet, seltener auch in den sĂźdlichen Regionen. Daneben kommen sie eventuell auch in Burma, China, Indien, Indonesien, Laos, Malaysia, Papua-Neuguinea, auf den Philippinen und in Vietnam vor, aber wenn, dann mit unbekannter Verbreitung. Dingos gelten als weit verbreitet in Sulawesi, aber ihre Verbreitung im Rest Indonesiens ist unbekannt. Sie gelten als selten auf den Philippinen und sind auf vielen Inseln mĂśglicherweise ausgestorben. In Korea, Japan und Ozeanien gibt es zwar lokale Hunderassen, die dingoartige Merkmale haben, Dingos gelten dort aber als ausgestorben.
Abstammung und genetischer Status
UrsprĂźnge
Da die Dingos auf dem Kontinent Australien neben dem Menschen die einzigen groĂen plazentalen Säuger waren und den Hunden in Menschenhand ähnlich sahen, aber dennoch wild lebten, war ihr Ursprung seit dem 18. Jahrhundert und speziell in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Thema von groĂem Interesse. Spätere archäologische und morphologische Studien deuteten auf eine relativ späte Ankunft der Dingos und eine nahe Verwandtschaft zu anderen Haushunden hin. Die genaue Abstammung, Ursprungsort und Zeit ihrer Ankunft in Australien wurden nicht bestimmt, auch nicht, ob sie bei ihrer Ankunft domestiziert beziehungsweise halbdomestiziert und somit verwilderte oder wirklich wilde Hunde waren.cite-ref-herkunft-57-2[57]
Eine weit verbreitete Theorie geht davon aus, dass der Dingo sich vor etwa 6.000â10.000 Jahren aus dem Canis lupus pallipes oder Canis lupus arabs entwickelte oder gezĂźchtet wurde (was auch schon fĂźr alle anderen Haushunde angenommen wurde).cite-ref-zimen-67-0[67] Diese Ansicht basiert auf den Ăhnlichkeiten der Schädel zwischen diesen WĂślfen und Dingos. Genetische Untersuchungen deuteten allerdings auf eine weit frĂźhere Domestikation hin.
Untersuchungen der Aminosequenzen des Hämoglobins von âreinenâ Dingos in den 1970er-Jahren unterstĂźtzten ebenfalls die Annahme, dass Dingos näher mit anderen Haushunden verwandt sind als mit GrauwĂślfen oder Kojoten. Zudem kam man zu der Vermutung, dass Dingos und andere asiatische Hunde Mitglieder einer Gruppe von Haushunden seien, die schon frĂźh verwilderten. Zur gleichen Zeit wurden bereits Untersuchungen an der DNA von australischen Dingos und anderen Haushunden vorgenommen, um beide Populationen zuverlässig unterscheiden und das AusmaĂ der Vermischung bestimmen zu kĂśnnen. Bei den ersten beiden Untersuchungen, bei denen zuerst 14 Loci und später noch fĂźnf dieser Loci untersucht wurden, konnten keine genetischen Unterschiede festgestellt werden. Später wurden die Untersuchungen auf 16 Loci ausgeweitet. Bei diesem Mal wurden Dingos aus Zentralaustralien, aus den Ăśstlichen Hochländern, Dingomischlinge und andere Haushunde untersucht. Bei allen Untersuchungen waren die Forscher Ăźberrascht, dass sie keine Unterschiede feststellen konnten. Daraus schlussfolgerte man, dass Dingos und andere Haushunde einen sehr ähnlichen Genpool haben. Da aber auch zwischen verschiedenen Arten der Gattung Canis nur wenige Unterschiede in den Enzymen festgestellt wurden, nahm man an, dass dies nicht zwangsläufig auf eine enge taxonomische Beziehung zurĂźckzufĂźhren ist. Ebenso kam man zu dem Schluss, dass der Grad der Vermischung in der Wildnis nur schwer zu bestimmen ist.cite-ref-68[68]
Bei Untersuchungen Ende der 1990er-Jahre wurden ebenfalls 14 Loci untersucht und eine wesentlich geringere genetische Variabilität der Australischen Dingos gegenĂźber anderen Haushunden festgestellt und eine kleine GrĂźnderpopulation in Betracht gezogen. Man fand einen Locus, der sich als Unterscheidungsmerkmal eignen kĂśnnte, allerdings nicht im Falle von Vermischungen eines Mischlings mit weiteren âreinenâ Dingos. Zudem vermutete man, dass ein Fund von weiteren geeigneten Loci benutzt werden kĂśnnte, um herauszufinden, ob es unter den âreinenâ Dingos klar abgrenzbare Subpopulationen geben kĂśnnte.cite-ref-microsatellite-69-0[69]
Um den Ursprung und die Zeit der Ankunft der Dingos auf dem australischen Kontinent zu bestimmen, wurden 2004 die mtDNA-Sequenzen von 211 Dingos und 19 archäologischen Proben aus dem voreuropäischen Polynesien mit denen von 676 anderen Haushunden und 38 GrauwĂślfen verglichen. Die Haushundproben stammten aus Europa, Afrika, SĂźdwestasien, Indien, Sibirien, dem arktischen Amerika, China, der Mongolei, Korea, Japan, Vietnam, Kambodscha, Thailand, Indonesien, den Philippinen, Malaysia, Neuseeland, Hawaii und den Hochlanden von Neuguinea. Die Dingoproben stammten von Dingos aus Zoos, Wildparks, von Dingo-Schutzgruppen, Liebhabern und 192 wildlebenden Exemplaren aus 27 Ăźber den australischen Kontinent verstreuten Regionen, hauptsächlich aus der Pilbara-Region, New South Wales und dem Nordosten Victorias. Die wilden Exemplare wurden aufgrund äuĂerlicher Gemeinsamkeiten ausgewählt, um einen Einfluss verwilderter Haushunde und Mischlingen so weit wie mĂśglich auszuschlieĂen.
Im Vergleich zu WĂślfen und anderen Haushunden war auch die Variation der mtDNA-Sequenzen unter den Dingos sehr begrenzt. Unter den Dingos fand man 20 verschiedene mtDNA-Typen, die sich in hĂśchstens zwei Punktmutationen unterschieden. Im Vergleich dazu fand man unter den anderen Haushunden 114 mtDNA-Typen mit einem maximalen Unterschied von 16 Punktmutationen zwischen den DNA-Typen. Zwei der Dingo-mtDNA-Typen waren identisch zu denen anderer Haushunde (A9, A29), während die anderen 18 einzigartig fĂźr Dingos waren. In einem stammesgeschichtlichen Baum von WĂślfen und Haushunden fielen alle Dingo-Sequenzen in den Hauptstamm (A), der 70 % aller Haushundesequenzen enthielt. Innerhalb dieses Stammes formten die Dingo-Typen eine Gruppe um den Typ A29, der von 12 weniger häufigen Dingo-Typen wie auch einer Reihe anderer Haushundtypen umgeben war. Dieser mtDNA-Typus fand sich in 53 % der Dingos und wurde ebenfalls bei einigen Haushunden aus Ostasien, Neuguinea und dem arktischen Amerika (und während unabhängiger späterer Untersuchungen auch in Puerto Ricocite-ref-70[70]) gefunden. Aufgrund dieser Untersuchungsergebnisse schlussfolgerte man, dass alle Dingo-mtDNA-Typen ihren Ursprung in A29 haben. A9 wurde nur bei einem Individuum gefunden und es wurde als mĂśglich angesehen, dass dieser Typus das Ergebnis einer parallel verlaufenen Mutation ist. Ausgehend von der Mutationsrate der mtDNA und davon, dass A29 der einzige GrĂźnder-Typus ist, wurde es als am wahrscheinlichsten angesehen, dass die Dingos vor 4600 bis 5400 Jahren in Australien ankamen, was sich mit archäologischen Funden deckt. Es wurde aber auch in Betracht gezogen, dass die Dingos auch in dem Zeitraum von vor 4.600 bis 10.800 Jahren angekommen sein kĂśnnten, falls die Mutationsrate langsamer war als angenommen. Weiterhin schlussfolgerte man, dass diese Ergebnisse stark auf eine Abstammung der Dingos von ostasiatischen Hunden (nachfolgende Untersuchungen erhĂśhten die obere Grenze auf 18300 Jahre und deuteten auf einen Ursprung in SĂźdostasiencite-ref-polynasia-60-1[60]) und nicht von indischen Haushunden oder WĂślfen schlieĂen lassen. Zudem deuteten diese Ergebnisse auf zwei AbstammungsmĂśglichkeiten hin:
⢠alle australischen Dingos stammen von nur sehr wenigen Hunden, theoretisch gesehen sogar von nur einem trächtigen Weibchen, ab
⢠die australischen Dingos stammen von einer Gruppe von Haushunden ab, die auf ihrem Weg vom asiatischen Kontinent ßber Sßdostasien ihre genetische Vielfalt radikal durch einen oder mehrere schwere genetische Flaschenhalseffekte verlor
Die Existenz von einigen anderen mtDNA-Typen auf den Inseln um Australien deutete allerdings darauf hin, dass es noch andere Typen auĂer A29 und nur ein einziges GrĂźndungsereignis gegeben hat. Es deutete ebenfalls darauf hin, dass es danach zu keinen weiteren bedeutsamen EinfĂźhrungen von Haushunden nach Australien (vor Ankunft der Europäer) gekommen ist. Ebenso gelten ein gemeinsamer Ursprung und ein gewisser Austausch von Genen zwischen den australischen Dingos und den Neuguinea-Dingos als mĂśglich. Den heutigen Zustand der Dingos fĂźhrte man auf die lange wilde Existenz dieser Hunde zurĂźck und nahm an, dass es sich um ein isoliertes Beispiel frĂźher Haushunde handelt.
Entgegen entsprechenden Behauptungencite-ref-71[71]cite-ref-72[72] zeigten diese Ergebnisse keineswegs, dass sich nur DingohĂźndinnen mit anderen Nicht-DingorĂźden vermischen und nicht umgekehrt. Die Ergebnisse wĂźrden diesen Schluss gar nicht zulassen, da eine Paarung zwischen einer DingohĂźndin und einem Nicht-DingorĂźden mit Hilfe einer mtDNA-Analyse nicht nachweisbar wäre. Zudem wurde von vornherein darauf geachtet, Mischlinge so weit wie mĂśglich auszuschlieĂen.cite-ref-herkunft-57-3[57]
Laut 2010 verĂśffentlichten genetischen Analysen der Einzelnukleotid-Polymorphismen von 912 Hunden und 225 GrauwĂślfen wurden die WĂślfe des Mittleren Ostens als Hauptursprung fĂźr alle Haushunde identifiziert, mit einigen mĂśglichen sekundären Ursprungsorten in Europa und Ostasien. In dieser Studie gehĂśrten Dingos zu den Hunden, bei denen starke Hinweise auf eine spätere Beimischung von GrauwĂślfen aus anderen Regionen in ihrer Geschichte gefunden wurden. Hierbei wurden beim Australischen Dingo (wie beim Akita Inu, dem Chow Chow und Shar Pei) Hinweise auf eine Beimischung von Chinesischen WĂślfen entdeckt. Beim Dingo und beim Chow Chow sogar weit mehr als erwartet. Zudem wurde eine geringere genetische Variabilität als fĂźr Haushunde Ăźblich bei Dingos bestätigt und eine Abspaltung von anderen Hunden auf einen Zeitpunkt um 2000 v. Chr. als wahrscheinlich angesehen. Zugleich gehĂśren Dingos zu den Hunden, welche von den meisten anderen untersuchten Rassen sehr stark genetisch abgegrenzt sind und als âaltertĂźmliche Rassenâ (im Original âancient breedsâ) bezeichnet werden. Innerhalb dieser Hunde gehĂśren Dingos, zusammen mit dem Neuguinea-Dingo, dem Chow Chow, dem Akita Inu und dem Shar-Pei zur so genannten âAsiatischen Gruppeâ.cite-ref-73[73]
Vermischung mit anderen Haushunden
â Hauptartikel: Vermischung von Dingos mit anderen Haushunden
Mit der Besiedlung des australischen Kontinents durch die Europäer kamen auch ihre Haushunde nach Australien. Diese gerieten in die Wildnis (absichtlich und unbeabsichtigt), grĂźndeten verwilderte Populationen und vermischten sich mit Dingos. Mischlinge aus Dingos und anderen Haushunden existieren heute in allen Dingo-Populationen Australiens, ihr Anteil gilt als steigend und vollkommen âreineâ Populationen existieren womĂśglich nicht mehr.cite-ref-broadcast-58-1[58] Der Grad an Vermischung ist lokal, zum Beispiel in urbanen und ländlichen Gebieten, mittlerweile so hoch, dass es groĂe Populationen gibt, die nur noch aus Mischlingen bestehen. Schätzungen gingen bereits von einem Anteil an Dingomischlingen von etwa 75 % auf dem Festland aus.cite-ref-riepe-74-0[74] Eine Quantifizierung wird durch das Fehlen verlässlicher Tests behindert.cite-ref-75[75]
Dingoartige Haushunde und Dingomischlinge kĂśnnen von âreinenâ Dingos in der Regel aufgrund der Fellfarbe unterschieden werden, da unter ihnen eine grĂśĂere Bandbreite an Farben und Mustern besteht. Zudem kommt unter Mischlingen die haushundtypische Form des Bellens vor. Weiterhin kĂśnnen zur Unterscheidung der Fortpflanzungszykluscite-ref-76[76], bestimmte Schädelmerkmalecite-ref-77[77] und gentechnische Analysencite-ref-78[78] eingesetzt werden. Bei allen Merkmalen, die zur Unterscheidung von Dingos und anderen Haushunden herangezogen werden kĂśnnen, gibt es doch zwei nicht zu unterschätzende Probleme. Zum einen herrscht keine echte Klarheit darĂźber, ab wann ein Hund als âreinerâ Dingo gilt,cite-ref-defpure-79-0[79] zum anderen ist bisher kein Erkennungsmerkmal hundertprozentig zuverlässig und es ist nicht sicher, welche Merkmale unter den Bedingungen der natĂźrlichen Selektion dauerhaft erhalten bleiben.
Im wissenschaftlichen Bereich gibt es zwei Hauptmeinungen, was die Reaktion auf den Prozess der Vermischung betrifft. In der ersten, vermutlich am weitesten verbreiteten Position geht es darum, den âreinenâ Dingo durch starke Bekämpfung der wilden Hundebestände zu erhalten und nur âreineâ beziehungsweise weitestgehend âreineâ Dingos zu schĂźtzen.cite-ref-80[80] Die zweite Position ist noch relativ neu und vertritt die Meinung, dass man akzeptieren muss, dass der Dingo sich verändert hat und dass es nicht mĂśglich ist, den âreinenâ Dingo zurĂźckzubringen. Schutz fĂźr diese Hunde sollte darauf basieren wie und wo sie leben, sowie auf ihrer kulturellen und Ăśkologischen Bedeutung, anstatt sich auf präzise Definitionen oder Bedenken Ăźber âgenetische Reinheitâ zu konzentrieren.cite-ref-81[81] Beide Positionen werden kontrovers diskutiert.
Nachweisbar gibt es heute innerhalb der Population von wilden Hunden eine weit grĂśĂere Variabilität von Fellfarben, Schädelformen und KĂśrpergrĂśĂe als in der Zeit vor Ankunft der Europäer. Im Verlauf der letzten 40 Jahre fand zudem eine ErhĂśhung der durchschnittlichen KĂśrpermasse wilder Hunde um 20 % statt.cite-ref-82[82] Es ist bisher unbekannt, ob im Falle des Verschwindens âreinerâ Dingos die dann existierenden Mischlinge den Jagddruck auf andere Lebewesen verändern werden. Ebenso ist es nicht klar, welche Stelle solche Mischlinge in Australischen Ăkosystemen einnehmen werden. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass die Dynamik der jeweiligen Ăkosysteme dadurch nicht gestĂśrt wird.cite-ref-impact-12-6[12]
Probleme bei der Einordnung des Dingos
Es gibt keine Einigung, sowohl wissenschaftlich als auch sonst, was der Dingo biologisch gesehen eigentlich ist, da er als âWolfâ, âDingoâ, âHundâ und âwilder Hundâ bezeichnet wird.cite-ref-beastwithin-83-0[83] Selbst in der wissenschaftlichen Gemeinschaft hat der Dingo unterschiedliche Bezeichnungen. Zudem besteht keine Einigkeit darĂźber, ob es sich um ein verwildertes oder einheimisches Tier handelt oder welche Hunde Ăźberhaupt zu den Dingos gezählt werden. So sehen manche den Hallstromhund (oder Neuguinea-Dingo), den Basenji, den Carolina Dogcite-ref-broadcast-58-2[58] und andere Hundepopulationen als dem Dingo zugehĂśrig an, was aber nicht bewiesen ist. Die Hinweise deuten ebenso auf eine Uneindeutigkeit in Bezug auf den Status dieser Hunde an sich. Dingos werden als Wildhunde,cite-ref-northern1-24-1[24] Stammvater der Haushundecite-ref-broadcast-58-3[58] beziehungsweise Vorfahr der heutigen Rassen,cite-ref-breedinfo-15-2[15] als eigene Art,cite-ref-detour-8-2[8] als Bindeglied zwischen Wolf und Haushund,cite-ref-broadcast-58-4[58] als primitive Caniden-Artcite-ref-84[84] oder primitiver Haushund,cite-ref-canid-5-11[5] als âhundeartigeâ Verwandte der WĂślfecite-ref-85[85] oder Unterart des Haushundescite-ref-86[86] angesehen. FĂźr andere sind Dingos heimische Hunde Asienscite-ref-87[87], eine nur wenig veränderte Form frĂźher Haushunde,cite-ref-impact-12-7[12] teils Wolf und teils Haushundcite-ref-88[88], wurden gezielt aus WĂślfen gezĂźchtetcite-ref-wilddogs-dingo-89-0[89] oder die Bezeichnung âDingoâ bezieht sich auf alle wild lebenden Haushunde.cite-ref-parasite-2-2[2] FĂźr wieder andere sind Dingos auch nicht mehr verwildert, sondern vĂśllig wild, da sie Ăźber viele Generationen der natĂźrlichen Selektion ausgesetzt waren.cite-ref-90[90] Nach heutigem Kenntnisstand handelt es sich bei ihnen um Haushunde, die mit Menschen in ihr heutiges Verbreitungsgebiet kamen, sich an die jeweiligen Bedingungen anpassten und auch nicht âursprĂźnglicherâ sind als andere Haushunde.cite-ref-doritpsychologie-91-0[91]
Manche nehmen an, dass der Australische Dingo niemals der kßnstlichen Auslese ausgesetzt war, die eventuell die modernen Haushunde hervorgebracht hatcite-ref-bringing-92-0[92] und fßr andere sind Dingos undomestizierte Nachfahren eines ausgestorbenen asiatischen Wolfescite-ref-93[93]. Dingos zeigen aber mit einem relativen Hirnvolumen das knapp 30 % unter dem des europäischen Grauwolfs liegt, geringerer Differenzierung der sozialen Interaktionencite-ref-hemmer-94-0[94], reduzierter Mimikcite-ref-95[95], reduziertem Imponierverhaltencite-ref-doritausdruck-20-3[20] (alles verglichen zum Europäischen Grauwolf), ßber den Rßcken gelegten beziehungsweise gekringelten Ruten und eine in der Regel ganzjährigen Zeugungsfähigkeit der Männchen, die gleichen Merkmale, die auch bei anderen Haushunden vorkommen und zu den Auswirkungen der Domestikation gezählt werden.cite-ref-doritausdruck-20-4[20]cite-ref-zimen-67-1[67] Es kann vorkommen, dass ein und dieselbe Quelle den Dingo als Unterart des Grauwolfes aber alle anderen Haushunde als eigenständige Spezies ansieht.cite-ref-96[96] Ebenso kann der wissenschaftliche Name des Dingos als Canis lupus dingo angegeben werden und dennoch wird der Dingo als eigene Art bezeichnet.cite-ref-97[97] Schon Alfred Brehm hielt den Dingo zuerst fßr eine eigene Art, kam nach Besichtigung verschiedener Exemplare aber zu dem Schluss, dass es sich nur um Haushunde handeln konnte.cite-ref-brehm-19-1[19] Dagegen wurde der Dingo von William Jardine als eigene Art und von franzÜsischen Forschern der gleichen Zeit als verwilderter Haushund eingestuft.cite-ref-98[98] Auch von heutigen Wissenschaftlern werden Dingos und andere Haushunde mitunter als zwei eigenständige Spezies angesehen, trotz nachgewiesener geringer genetischer, morphologischer und verhaltensbiologischer Unterschiede (z. B. kamen vergleichende Untersuchungen am Institut fßr Haustierkunde in Kiel zu dem Schluss, dass Dingos eindeutig Hunde sindcite-ref-99[99]). Das Phänomen der Vermischung beider wird dann auf die Tatsache zurßckgefßhrt, dass sich alle wolfsartigen Arten vermischen und fruchtbare Nachkommen erzeugen kÜnnten.cite-ref-microsatellite-69-1[69] Bei Kreuzungsversuchen am Kieler Institut fßr Haustierforschung konnte eine uneingeschränkte Fruchtbarkeit aber nur bei der Kreuzung Haushund und Grauwolf nachgewiesen werden. Bei der Kreuzung Haushund/Kojote und Haushund/Goldschakal kam es zu Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Mischlingen untereinander und zu den Elternarten und ab der dritten Generation zu verminderter Fruchtbarkeit und Vermehrung von Erbschäden unter den Mischlingen.cite-ref-doritpsychologie-91-1[91] Solche Beobachtungen wurden aber fßr Mischungen aus Dingos und anderen Haushunden nie berichtet, sondern dass sich Dingos mit anderen Haushunden vÜllig frei vermischen kÜnnen.cite-ref-100[100]
Die Wahl der Bezeichnung kann direkte Auswirkungen auf die Dingos haben. AuĂerhalb eines Naturparks hĂśrt ein Dingo offiziell auf zu existieren und wird zu einem wilden Hund, der nicht geschĂźtzt ist.cite-ref-beastwithin-83-1[83] Dieser Begriff selbst schlieĂt mitunter nur Dingos und deren Mischlinge mit eincite-ref-101[101] beziehungsweise schlieĂt Dingos auscite-ref-102[102]. Eine andere Namensänderung ist die, dass Dingos auĂerhalb der Nationalparks ânur nochâ verwildert sind, wobei dieser Begriff in diesem Zusammenhang eine weit negativere Bedeutung hat als der Begriff âwildâ.
Andererseits wurden Dingos ârehabilitiertâ indem man ihren Status von Ungeziefer zu âAustraliens einheimischen Hundâ änderte, oder noch subtiler von einer Unterart des Haushundes zu einer des Grauwolfes. Der Unterton in der australischen Presse ist der, dass, ein Grauwolf oder Asiatischer Wolf zu sein, bedeutet, dass der Dingo âwilderâ ist und damit wĂźnschenswerter als ein Begleittier (Haushund). Eventuell zeigt die Angewohnheit, Dingos in der Umgangssprache nur als Hunde (nicht wilde Hunde) zu bezeichnen, eine Vertrautheit mit ihnen oder eine Abwertung an, im letzteren Fall kĂśnnte es moralisch einfacher sein, sie bei Problemen zu tĂśten, da sie dann nicht den âhohen Statusâ eines Wolfes oder Dingos besitzen.cite-ref-beastwithin-83-2[83] Mitunter wird es als schade angesehen, dass der Dingo ein Haushund ist beziehungsweise von solchen abstammt und nicht âdirektâ vom Grauwolf.cite-ref-103[103] Wenn der Dingo als heimisch angesehen wird, verdient er Schutz, ist er aber ânurâ eine Variante des Haushundes, gilt er stattdessen als Plage und muss ausgelĂśscht werden.cite-ref-going-104-0[104]
Ăkologische Bedeutung
Zuverlässige Daten ßber die exakten Ükologischen, Ükonomischen und sozialen Auswirkungen von wilden Hunden gibt es bisher nicht.
Ăkologischer Einfluss des Dingos nach seiner Ankunft
Es wird vermutet, dass der Dingo teilweise fĂźr das Aussterben des Beutelwolfes, des Tasmanischen Teufels und des Tasmanischen Pfuhlhuhns auf dem australischen Festland verantwortlich ist, da die Ankunft des Dingos und das Aussterben dieser Arten zeitlich zusammenfallen. Abgesehen davon scheinen Dingos aber nicht den gleichen Einfluss auf die heimische Fauna gehabt zu haben, wie ihn beispielsweise später RotfĂźchse hatten. Dies kĂśnnte mit ihrer Jagdweise und der GrĂśĂe der bevorzugten Beute, sowie der geringeren Zahl an Dingos in der Zeit vor der europäischen Kolonialisierung zusammenhängen.cite-ref-105[105]
Beutelwolf und Dingo zeigen Ăberschneidungen im Aktivitätsmuster und damit wohl auch im Beutespektrum. Auf Neuguinea, wo statt des Dingos der Hallstrom-Hund vorkommt, starb der Beutelwolf ebenfalls aus. Dingos und BeutelwĂślfe lebten nachweislich eine Zeit lang nebeneinander auf dem Festland. Eine Verdrängung durch Konkurrenzunterlegenheit des Beutelwolfs wurde daher von Heinz MĂśller als wenig wahrscheinlich angesehen.cite-ref-beutelwolf-11-1[11] Auch von anderer Seite wurde diese Ansicht bisweilen kritisiert und argumentiert, dass das Aussterben des Beutelwolfes auf dem Festland lediglich Teil eines bereits länger andauernden Ăśkologischen Zerfalls war, welcher schon Jahrtausende vorher durch das Eintreffen des Menschen ausgelĂśst wurde.
Die Annahme, der Dingo hätte den Beutelwolf verdrängt, wurde zuerst im Jahr 1837 vorgetragen, fand aber wenig Zustimmung. Es wurde stattdessen angenommen, dass der Beutelwolf den Dingo von Tasmanien verdrängt hätte. Erst in den 1950er-Jahren wurde diese Annahme unter Wissenschaftlern populär.cite-ref-paddle-63-1[63]
Die Annahme, dass Dingo und Beutelwolf Nahrungskonkurrenten waren, beruht auf der äuĂerlichen Ăhnlichkeit der beiden Arten. Der Beutelwolf hatte einen stärkeren und effizienteren Biss, war aber wohl darauf angewiesen, relativ kleine Beute zu erlegen, während der stärkere Schädel und Hals dem Dingo erlauben, auch groĂe Beute zu erlegen.cite-ref-106[106] Der Dingo wäre dabei der Ăźberlegene Räuber, da er koordiniert in Rudeln jagen und Ressourcen besser verteidigen konnte, während der Beutelwolf vermutlich einzelgängerischer war. Zudem kĂśnnten wilde Populationen von Dingos UnterstĂźtzung durch Artgenossen aus der Nähe des Menschen gehabt oder einige Krankheiten eingeschleppt haben, fĂźr die der Beutelwolf anfällig war. Das Aussterben des Beutelwolfes auf dem Kontinent vor etwa 2000 Jahren wurde auch mit Veränderungen des Klimas und der Landnutzung durch die Ureinwohner in Verbindung gebracht. Den Dingo als Ursache zu benennen, ist zwar plausibel, es gibt aber deutliche morphologische Unterschiede zwischen beiden, was darauf hindeutet, dass die Ăśkologische Ăberlappung beider Arten Ăźbertrieben sein kĂśnnte. Der Dingo hat eher das Gebiss eines Generalisten, während der Beutelwolf das eines Fleischspezialisten (ohne Merkmale fĂźr den Verzehr von Aas und Knochen) hat. Ebenso wurde argumentiert, dass der Beutelwolf ein flexibler Räuber war, der der Konkurrenz durch den Dingo hätte widerstehen mĂźssen, und stattdessen durch menschliche Verfolgung ausgestorben sei.
Ebenso hat diese Theorie die Frage zu erklären, warum der Dingo und der Tasmanische Teufel bis vor etwa 430 Jahren auf demselben Kontinent existiert haben, wenn der Dingo dessen Aussterben bewirkt haben soll. Eigentlich hätte die Gruppendynamik der Dingos den Teufel erfolgreich von Aas fernhalten kĂśnnen, und da Dingos Knochen knacken kĂśnnen, wäre fĂźr den Teufel nicht viel Ăźbrig geblieben. Zudem sind Teufel auch erfolgreiche Jäger von kleiner bis mittlerer Beute, und es hätte daher ebenso eine Ăberschneidung bei lebender Beute gegeben. Zudem stehen die Argumente, dass der Dingo das Aussterben des Beutelwolfes, des Teufels und des Pfuhlhuhn ausgelĂśst haben soll, im Gegensatz zueinander. Wenn der Dingo in seiner Ăśkologischen Rolle dem Teufel und dem Beutelwolf ähnlich genug gewesen sein soll, um beide zu verdrängen, ist es eigenartig, dass das Pfuhlhuhn so lange mit beiden koexistieren konnte. Dies ist zwar mĂśglich, die Hinweise darauf werden aber von Kritikern als schwach angesehen.cite-ref-107[107]
Ăkologische Bedeutung heute
Heute wird der Dingo sowohl von vielen Biologen als auch UmweltschĂźtzern als Teil der australischen Fauna angesehen, vor allem weil diese Hunde schon vor Ankunft der Europäer dort existierten und eine gegenseitige Anpassung von Dingo und Ăkosystem stattgefunden hat. Es gibt aber auch die gegenteilige Ansicht, dass der Dingo nur ein weiteres eingeschlepptes Raubtier beziehungsweise nur in Thailand heimisch sei.cite-ref-going-104-1[104]
Vieles zur heutigen Stellung der wilden Hunde in den australischen Ăkosystemen und speziell im urbanen Raum ist noch ungeklärt (es wurde aber nachgewiesen, dass Dingos zu einer ganzjährigen Fortpflanzung bei Sumpfwallabys fĂźhrencite-ref-110[110]). Zwar versteht man die Ăśkologische Rolle von Dingos in Nord- und Zentralaustralien, die von wilden Hunden im Osten des Kontinents aber weit weniger. Entgegen einigen Behauptungencite-ref-hass-111-0[111] ist aber klar widerlegt worden, dass Dingos generell schädlich fĂźr das australische Ăkosystem sind. Es wird meist angenommen, dass sie einen positiven Effekt haben.
Dingos gelten als Hauptbeutegreifer und Ăźben womĂśglich generell eine Ăśkologische SchlĂźsselfunktion aus. Daher gilt es als wahrscheinlich (mit zunehmenden Hinweisen aus der wissenschaftlichen Forschung), dass sie die Vielfalt innerhalb der Ăkosysteme kontrollieren, indem sie die Zahl der Beutetiere und Konkurrenten in Grenzen halten. Wilde Hunde jagen verwildertes Nutzvieh wie Ziegen und Schweine (sie gelten als einzige potentielle Beutegreifer von Kamelencite-ref-kamel-29-1[29]); sowie heimische Beutetiere und eingeschleppte Wildtiere (z. B. Rothirschecite-ref-112[112]). Eventuell beruht die geringere Verbreitung von wilden Ziegen in Nordaustralien auf der Anwesenheit der Dingos, ob sie deren Populationen wirklich regulieren, ist nach wie vor diskussionswĂźrdig. Auch kĂśnnten wilde Hunde ein Faktor sein, der die Ausbreitung verwilderter Pferde einschränkt.cite-ref-113[113]
Untersuchungen aus dem Jahr 1995 in den nĂśrdlichen Feuchttropen Australiens kamen zu dem Schluss, dass Dingos die Zahl der verwilderten Schweine dort nicht verringerten, sondern ihre RaubzĂźge lediglich zusammen mit dem Vorkommen von WasserbĂźffeln (die den Schweinen Zugang zu Nahrung erschweren) einen Einfluss auf die Schweinepopulation haben.cite-ref-114[114] Die Auswertung von Daten Ăźber die Beziehung von Dingos und verwilderten Hausschweinen in Queensland von 1945 bis 1976 deutete allerdings darauf hin, dass Dingos dort bedeutende Beutegreifer von Hausschweinen waren.cite-ref-115[115]
Es gab Beobachtungen zur gegenseitigen Beeinflussung von Dingos und Fuchs- und Katzenpopulationen und Hinweise, dass Dingos RotfĂźchsen und Hauskatzen den Zugang zu bestimmten Ressourcen versperren. Daher wird angenommen, dass ein Verschwinden der Dingos zu einem Anstieg der Populationen von RotfĂźchsen und verwilderten Katzen und damit einem erhĂśhten Druck auf kleinere heimische Tiere fĂźhren kann. Bei Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass die Anwesenheit von Dingos einer der Faktoren ist, der die Zahl der RotfĂźchse in einem Gebiet niedrig hält, wodurch der Druck auf andere heimische Arten abnimmt und diese aus betroffenen Gebieten nicht verschwinden. Ebenso konnte nachgewiesen werden, dass landesweit die Fuchspopulation dort besonders hoch ist, wo Dingozahlen niedrig sind, allerdings wurde in Betracht gezogen, dass je nach Gebiet auch andere Faktoren dafĂźr verantwortlich sein kĂśnnten.cite-ref-regulator-27-1[27] Ebenso wurde aus Teilen Australiens berichtet, dass die Zahl der verwilderten Hauskatzen zunahm, nachdem die Zahl der Dingos durch KontrollmaĂnahmen abgenommen hatte.cite-ref-116[116] Tatsächlich wurde bei einem Experiment in SĂźd-Australien direktes TĂśten von RotfĂźchsen durch Dingos nachgewiesen, wobei anscheinend alle VersuchsfĂźchse von Dingos getĂśtet wurden. Im gleichen Experiment konnte auch nachgewiesen werden, dass Dingos 2 von 5 Hauskatzen tĂśteten und am Ende des Experiments als einzige der drei Beutegreiferarten Ăźbrig blieben.cite-ref-117[117] Bei Untersuchungen in den Gebieten der Blue Mountains in New South Wales fand man Hinweise auf eine Konkurrenz zwischen wilden Hunden und RotfĂźchsen, da es viele Ăberschneidungen im Beutespektrum gab. Allerdings fanden sich nur Hinweise auf lokale Konkurrenz, nicht im groĂen MaĂstab.cite-ref-118[118] Untersuchungen, die im Jahr 2011 verĂśffentlicht wurden, ergaben ebenfalls ein groĂes Potential fĂźr zwischenartliche Konkurrenz, wiesen TĂśtungen von FĂźchsen durch Dingos nach und kamen zu dem Schluss, dass das Vorhandensein von Dingos kleineren Beutearten zum Vorteil gereichen kĂśnnte.cite-ref-119[119] Es ist aber auch mĂśglich, dass Dingos in Gebieten mit ausreichend Nahrung (beispielsweise hoher Kaninchenzahl) und VersteckmĂśglichkeiten Seite an Seite mit RotfĂźchsen und Hauskatzen vorkommen kĂśnnen, ohne dass die Zahl der Katzen und RotfĂźchse abnehmen wĂźrde. Ăber die Beziehung von wilden Hunden und verwilderten Hauskatzen (beide existieren in den meisten Gebieten gemeinsam) ist fast nichts bekannt. Zwar fressen wilde Hunde auch Katzen, inwieweit das die Population aber beeinflusst, ist unbekannt.cite-ref-regulator-27-2[27] Wilde Hunde leben in vielen Gebieten gemeinsam mit allen Beutelmarderarten, auĂer dem Ăśstlichen Beutelmarder, der wohl auf dem Kontinent ausgestorben ist, und gelten daher nicht als Bedrohung fĂźr diese.
Ebenso kĂśnnte ein Verschwinden der Dingos ein Ăberhandnehmen von Roten Riesenkängurus und Kaninchen bewirken. In den Gebieten, die nicht vom Dingozaun eingeschlossen sind, ist die Zahl der Kängurus und Emus niedriger als innerhalb, wobei die Zahl je nach Gebiet und Zeit wechselte. Da die Umwelt auf beiden Seiten des Zauns gleich ist, gilt der Dingo als starker Faktor in der Regulation dieser Tiere.cite-ref-120[120] Deshalb wird von einigen Seiten gefordert, Dingopopulationen in Gebieten mit geringer Dichte ansteigen zu lassen oder sie wieder einzufĂźhren, um den Druck auf bedrohte Populationen heimischer Arten zu mindern und sie in bestimmten Gebieten wieder ansiedeln zu kĂśnnen. Bei einer Studie aus dem Jahr 2009 fand man Hinweise, dass bestimmte bedrohte Arten dort in stabilen Populationen vorkommen, wo es auch stabile Dingopopulationen gibtcite-ref-bait-121-0[121]. Die Ergebnisse einer anderen Studie (verĂśffentlicht im selben Jahr) brachten die Forscher zu dem Schluss, dass eine WiedereinfĂźhrung des Dingos in derzeit hundefreie Gebiete die dortigen Ăkosysteme durch UnterdrĂźcken eingefĂźhrter Arten wieder restaurieren wĂźrde.cite-ref-122[122]
Hierbei gibt es aber auch kritische Stimmen, die darauf hinweisen, dass aufgrund der starken Veränderungen in der australischen Landschaft seit der Ankunft der Europäer ein positives Management von Dingos nicht zwangsläufig ein Erholen von gefährdeten Arten zur Folge hat und diese Hunde auf lokaler Ebene sogar bereits gefährdete Arten bedrohen.cite-ref-123[123]
Kulturelle Bedeutung
Das Aussehen eines wilden Hundes ist fĂźr seine Ăśkologische Bedeutung wohl unbedeutend. Hierbei kommt es eher darauf an, was ein Hund tut, sprich welchen Platz im Ăkosystem er einnimmt und welche Auswirkungen er hat. Im Gegensatz dazu ist das Aussehen eines wilden Hundes in Hinsicht auf seine kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung mitunter sehr wichtig. Hier wird oft verlangt, dass der wilde Hund äuĂerlich dem entspricht, was erwartet wird, also entweder ein Dingo (âreinerâ Dingo) ist oder wie einer aussieht.cite-ref-save-124-0[124] Bei der wirtschaftlichen Bedeutung bezieht sich das bisher aber wohl nur auf die Fälle, wo der âreineâ Dingo beispielsweise als Touristenattraktion gilt. Wo wilde Hunde als Schädlinge angesehen werden, spielt das Aussehen (wenn Ăźberhaupt) wohl nur eine sehr untergeordnete Rolle.
Welche Bedeutung wilde Hunde im urbanen Bereich haben und ob sie eine Gefahr fßr Menschen (direkte Angriffe, Krankheiten und weiteres) sind, ist noch nicht geklärt.
Ansichten Ăźber den Dingo beruhten oft auf seiner wahrgenommenen âSchläueâ und dass er auf dem Punkt zwischen wild und zivilisiert sitzt.cite-ref-heimisch-125-0[125]
Einige der frĂźhen europäischen Siedler verglichen Dingos mit Haushunden und sahen sie als solche an, andere verglichen sie dagegen mit WĂślfen. Als Dingos mit der Zeit begannen, Schafe zu reiĂen, veränderte sich die Haltung der Einwanderer zu ihnen sehr schnell: Man sah sie als verschlagen und feige an, da sie sich nach Ansicht der Europäer nicht einem Kampf stellen und einfach im Busch verschwinden wĂźrden.cite-ref-cunning-126-0[126] Dingos wĂźrden nicht aus Hunger tĂśten, sondern aus Boshaftigkeit (ähnliches wird heute auch von Dingomischlingen behauptet)cite-ref-127[127]. Ebenso wurden sie bald als promisk oder Teufel, mit einem giftigen Biss oder Speichel ausgestattet bezeichnet und Vorbehalte, sie zu tĂśten, waren nicht notwendig. Mit der Zeit bekamen Fallensteller ein bestimmtes Prestige fĂźr ihre Arbeit, vor allem wenn die Dingos, die sie erlegten, besonders schwer zu fangen waren. Dingos wurden somit schnell mit Dieben, Vagabunden, Buschläufern und den Gegnern im Parlament gleichgesetzt. Der älteste Hinweis darauf, dass Politiker ihre Gegner als Dingos (damit als feige und verräterisch) bezeichneten, stammt aus den 1960er-Jahren und wurde danach sehr populär.cite-ref-broadcast-58-5[58] Bis heute steht das Wort Dingo im australischen Slang fĂźr Feigling und BetrĂźger und Verb- und Adjektivform haben die entsprechende Bedeutung.cite-ref-heimisch-125-1[125]
Im heutigen Australien ist die Identität des Dingos komplex und ambivalent. Und wenn es sich auch nicht um das einzige australische Lebewesen handelt, welches auf dramatisch unterschiedliche Art und Weise wahrgenommen wird, so ist der Dingo vermutlich von allen das Lebewesen mit der meisten Ambivalenz in der Ăśffentlichen Wahrnehmung.cite-ref-dualism-56-1[56] Das Bild vom Dingo reicht von einer romantischen Verklärungcite-ref-bringing-92-1[92] als vĂśllig harmlos, Maskulinisierungcite-ref-128[128] bis zur Dämonisierung als grundsätzliche Gefahrcite-ref-beastwithin-83-3[83] fĂźr die Menschen und die Umwelt.cite-ref-129[129] FĂźr die einen ist der Dingo ein âlebendes Fossilâcite-ref-breedinfo-15-3[15] oder ein âwunderschĂśnes, einzigartiges Tierâcite-ref-lioncrusher-130-0[130] und gilt bei manchen auch nicht als Haushund, sondern als Wolf. Dingos werden als Ikone Australiens bezeichnet, die erhalten werden soll (zumindest in âreinerâ Form) und ihr mĂśgliches âAussterbenâ wird auch mit der des Beutelwolfes verglichen.cite-ref-dingoext-131-0[131] Wo Dingos trotz dieser âRehabilitationâ als Schädlinge gesehen werden,cite-ref-beastwithin-83-4[83] kann dies bis zu Hass ausarten. Dabei wird mitunter gesagt, dass Dingos die Gesellschaft und das Ăkosystem schädigen wĂźrden (beispielsweise dass sie grundsätzlich fĂźr das Aussterben von heimischer Fauna verantwortlich seien). Dingos (egal ob âreinâ oder nicht) werden dann als GeiĂel angesehen, die ausgerottet werden muss. In solchen Fällen wird es auch als akzeptabel betrachtet, wenn alle wilden Hunde ausgerottet werden mĂźssen, um ein Menschenleben zu retten.cite-ref-hass-111-1[111] Dabei gibt es auch unter den BĂźrokraten die Ansicht, dass wilde Hunde grausam gegenĂźber Schafen und Rindern seien und somit Grausamkeit gegen sie selbst gerechtfertigt sei.cite-ref-132[132]
Hunde haben traditionell eine privilegierte Stellung in der indigenen Kultur Australiens (die der Dingo vielleicht vom Beutelwolf Ăźbernommen hat) und der Dingo ist ein bekanntes Element von Felsenbildern und HĂśhlenmalereien.cite-ref-rose-14-1[14] Es gibt Zeremonien (wie die Totenklage am Kap York in Form von Geheulcite-ref-ian-50-1[50]) und Traumzeitgeschichten in Bezug auf den Dingo, die Ăźber die Generationen weitergegeben wurden; es existieren starke GefĂźhle in der Gesellschaft der Aborigines, dass Dingos nicht getĂśtet werden sollten und in einigen Gebieten legen sich Frauen junge Dingos an die Brust. Meistens werden sie mit erstaunlicher Nachsicht behandelt, wobei auch hier die GrĂźnde nicht unbedingt in einer Freundlichkeit liegen mĂźssen, da mitunter auch sehr brutal gegen Hunde vorgegangen wird. Ein groĂes ZugehĂśrigkeitsgefĂźhl scheint aber dennoch zu bestehen, auch wenn die GrĂźnde nicht immer klar sind. Ebenso wie sich viele Kolonialisten Dingos als Haushunde besorgten, so besorgten sich auch viele Ureinwohner schnell Hunde der Einwanderer. Dieser Prozess ging so schnell voran, dass Francis Barrallier (der erste Europäer, der das australische Inland erforschte) im Jahr 1802 entdeckte, dass ihm bereits fĂźnf Haushunde europäischer Abstammung zuvorgekommen waren.cite-ref-broadcast-58-6[58] Von mancher Seite wird die Theorie geäuĂert, dass andere Haushunde die Rolle der âreinenâ Dingos Ăźbernehmen werden.cite-ref-bringing-92-2[92] Tatsächlich bezeichnet die Mehrzahl der Mythen Ăźber Dingos sie einfach als Hunde (ob diese Rolle von anderen Haushunden Ăźbernommen wurde oder fĂźr die Erzähler kein Unterschied besteht, ist nicht klar)cite-ref-rose-14-2[14] und auch andere eingefĂźhrte Lebewesen wie WasserbĂźffel und Hauskatzen wurden in einigen Gebieten bereits in die Kultur der Ureinwohner in Form von Ritualen, traditionellen Zeichnungen und Traumzeitgeschichten aufgenommen.cite-ref-heimisch-125-2[125]
Der Dingo steht in Verbindung mit heiligen Orten, Totems, Ritualen und Charakteren der Traumzeit. Es gibt Geschichten, die besagen, dass Hunde das ĂbernatĂźrliche sehen kĂśnnen, Wachhunde sind und vor bĂśsen Mächten warnen. Es gibt Hinweise darauf, dass Hunde mit ihren Besitzern bestattet wurden, um sie auch nach dem Tod vor bĂśsen EinflĂźssen zu beschĂźtzen.cite-ref-133[133] Die meisten verĂśffentlichten Mythen Ăźber Dingos stammen von Gruppen aus der Westlichen WĂźste und zeigen eine erstaunliche Komplexität. In einigen Geschichten spielen Dingos die Hauptrolle, in anderen Nebenrollen. Einmal ist er ein Vorfahre der Traumzeit, der Menschen und andere Dingos erschafft beziehungsweise ihnen ihre Gestalt gibt. Dann gibt es Erklärungen Ăźber die SchĂśpfung, darĂźber wie gewisse Dinge sind und was man tun sollte. Es gibt Mythen von Gestaltwandlern (Mensch zu Dingo oder Dingo zu Mensch), âDingomenschenâ und Ăźber die Erschaffung bestimmter Landschaften oder Elemente der Landschaft, wie Wasserstellen oder Berge. Ebenso ist er in anderen fĂźr den Tod verantwortlich. In anderen Mythen wird Auskunft Ăźber soziales Verhalten und Warnungen an die, die sich nicht an die Regeln der Gruppe halten wollen gegeben. Geschichten kĂśnnen Territoriumsgrenzen anzeigen oder Dingos selbst fĂźr bestimmte Mitglieder der Gesellschaft stehen, zum Beispiel aufmĂźpfige Dingos als Warnung fĂźr âwildeâ Mitglieder des Stammes. Der Dingo hat in anderen Geschichten auch eine wilde und unkontrollierbare Seite und es existieren viele Geschichten von Dingos, die Menschen tĂśten und fressen (beispielsweise Ăźber den Mamu, der den Geist jedes Kindes fängt und frisst, das sich vom Lagerfeuer entfernt). Andere Geschichten erzählen von einem riesigen menschenfressenden Teufels-Dingo, aus dem später die eigentlichen Dingos entstanden. Der Hund erscheint dabei als eine mĂśrderische, bĂśsartige Kreatur, die â von der Abwesenheit von subtilem Verstand abgesehen â einem Trickster ähnelt, da er die Rolle eines spitzbĂźbischen Gegenspielers fĂźr ändere mythische Figuren darstellt. Viele mythologische Wesen fallen blutrĂźnstigen Hunden zum Opfer oder entkommen ihnen. Auch hier haben die einzelnen Figuren eine bestimmte Bedeutung und werden mitunter zu Bestandteilen der Landschaft. Auch die Aktionen der Hunde selbst fĂźhren beispielsweise dazu, dass aus herumfliegenden Knochen und FleischstĂźcken Steine und Bäume oder Blut zu rotem Ocker werden.
Wirtschaftliche Bedeutung
Wilde Hunde sind fĂźr eine Reihe von negativen und unerwĂźnschten EinflĂźssen auf die Viehwirtschaft in ganz Australien bekannt und gelten in Australien als Schädlinge seit dem Beginn der europäischen Viehwirtschaft. Dabei sind die Schafe die häufigsten Beutetiere, gefolgt von Rindern und Ziegen. Es wurde aber erst vor verhältnismäĂig kurzer Zeit damit begonnen, zu erforschen wie groĂ die Schäden tatsächlich sind und warum das Problem existiert. Es gibt viele Ursachen fĂźr den Tod eines Nutztieres und beim Auffinden kann es oft zu spät sein, um sicher sagen zu kĂśnnen, woran das Tier gestorben ist. Da der Ausgang eines Angriffs auf Nutztiere zu einem groĂen Teil von dem Verhalten und der Erfahrung des Angreifers und der Beute abhängen, gibt es (auĂer vielleicht direkte Beobachtungen) keinen sicheren Weg, um zu bestimmen, ob ein Angriff von Dingos oder anderen Haushunden ausgefĂźhrt wurde. Auch die Ăberreste von Nutzvieh im Kot von wilden Hunden weist sie nicht zwangsläufig als Schädlinge aus, da sich wilde Hunde auch von Aas ernähren.cite-ref-aas-3-1[3] Genaue Zahlen oder verlässliche Schätzungen zu Schäden durch wilde Hunde sind daher schwer zu bekommen und selten verlässlich. Auch wenn Nutztiere keinen groĂen Teil der Nahrung der Dingos ausmachen sollten, so sagen diese Beobachtungen nichts Ăźber das AusmaĂ des Schadens aus, den Dingos der Viehwirtschaft zufĂźgen kĂśnnen.
Die Bedeutung des Dingos als Schädling geht hauptsächlich auf dessen Beutezßge auf Schafe und zu einem geringeren Anteil auf Rinder zurßck und hängt nicht allein mit dem direkten Verlust von Nutzvieh zusammen. Schafe jeden Alters sind fßr Angriffe von Dingos empfänglich, bei Rindern besteht diese Gefahr nur fßr Kälber. Belästigung von Schafen kann zu weniger optimalen Nutzung des Weidelands und Fehlgeburten fßhren.
Die Rinderwirtschaft kann niedrige bis mittlere Grade und mitunter sogar hohe Grade an wilden Hunden tolerieren (weshalb Dingos dort nicht so schnell als Schädlinge gelten), bei Schafen und Ziegen besteht eine Null-Toleranz-Haltung. Die grĂśĂte Gefahr geht dabei von Hunden aus, die innerhalb oder nahe den Koppelgebieten leben. Das AusmaĂ an Schafsverlusten ist aufgrund von weiten Weidegebieten in einigen Teilen Australiens nur schwer zu ermitteln. Bei Rindern sind die Verluste weit variabler und nicht so gut dokumentiert. Zwar kann der Verlust an Kälbern bis auf 30 % steigen,cite-ref-nord-44-1[44] der normale Verlust liegt aber bei null bis zehn Prozent.cite-ref-134[134] Dabei sind Faktoren wie das Vorkommen heimischer Beute als auch das Abwehrverhalten und die Gesundheit der Rinder bestimmend fĂźr die HĂśhe der Verluste. Eine Studie in Zentralaustralien aus dem Jahre 2003 bestätigte, dass Dingos, wenn genĂźgend andere Beute wie Kaninchen und Kängurus vorhanden sind, nur geringen Einfluss auf die Rinderbestände haben. In einigen Gebieten Australiens geht man davon aus, dass die Schäden fĂźr die Rinderwirtschaft minimiert werden kĂśnnen, wenn man MutterkĂźhe mit HĂśrnern anstelle von hornlosen einsetzt.cite-ref-impact-12-8[12] Die genaue wirtschaftliche Bedeutung ist in diesem Fall nicht bekannt und es gilt als unwahrscheinlich, dass bei einzelnen Besitzern die Rettung einiger Kälber die Kosten fĂźr die EindämmungsmaĂnahmen aufwiegen wĂźrden. Kälber erleiden meistens weniger tĂśdliche Verletzungen als Schafe aufgrund ihrer GrĂśĂe und dem Schutz durch die erwachsenen Rinder und haben eine hĂśhere Chance, Angriffe zu Ăźberleben. So kann es vorkommen, dass Hinweise auf Hundeangriffe erst bemerkt werden, wenn die Rinder eingezäunt sind und Spuren wie zerbissene Ohren, Schwänze und andere Wunden entdeckt werden. Die Ansichten von Rinderwirten gegenĂźber Dingos sind weit variabler als die der Schafwirtschaft und einige Landbesitzer sind der Ansicht, dass es in DĂźrreperioden besser fĂźr die geschwächten MutterkĂźhe ist, wenn sie ihre Kälber verlieren (und diese dann nicht mehr versorgen mĂźssen) und daher werden Dingos dort selten getĂśtet. Diese Theorie wurde auch von Laurie Corbett vertreten.cite-ref-ian-50-2[50] Ebenso profitiert die Rinderwirtschaft womĂśglich von den RaubzĂźgen der Dingos auf Kaninchen, Ratten und Kängurus. Zudem hat die Sterblichkeitsrate unter Kälbern viele mĂśgliche GrĂźnde und es ist schwierig zwischen ihnen zu unterscheiden. Als einzig verlässliche Methode, um den Schaden zu erfassen, mĂźssten alle trächtigen KĂźhe erfasst und das spätere Schicksal der MutterkĂźhe und der Kälber beobachtet werden.cite-ref-nord-44-2[44] Der Verlust an Kälbern war bei Untersuchungen in Gebieten, in denen der Dingo bekämpft wurde, hĂśher als in anderen. Verluste an Nutzvieh sind somit nicht zwangsläufig auf das Vorhandensein von Dingos zurĂźckzufĂźhren und sind von wilden Hunden unabhängig.cite-ref-sheepusa-39-1[39]
Haushunde sind in Australien die einzigen Landraubtiere, die groĂ genug sind, um erwachsene Schafe zu reiĂen und wenige Schafe erholen sich von schweren Verletzungen. Viele Lämmer sterben durch andere Ursachen als Angriffe von Raubtieren, welche jedoch oft verdächtigt werden, weil sie vom Kadaver gefressen haben. Rotfuchsangriffe sind zwar seltener als zuerst angenommen, kommen aber dennoch vor.cite-ref-sheepusa-39-2[39] Dass die Schaf- und Ziegenwirtschaft fĂźr Schäden durch wilde Hunde wesentlich anfälliger sind als Rinderwirtschaft, liegt hauptsächlich an zwei Faktoren:
⢠das Fluchtverhalten der Schafe und ihre Eigenart, sich bei Gefahr zusammenzurotten
⢠die Jagdmethoden der wilden Hunde und die Effizienz, mit der sie mit Schafen und Ziegen umgehen
Dadurch ist der Schaden fĂźr die Viehwirtschaft hier nicht in Bezug zu setzen zur Dichte des Bestandes an wilden Hunden (auĂer dass es keine gibt, wo keine Hunde vorhanden sindcite-ref-sheepusa-39-3[39]). Auch wenn es in einem Gebiet nur wenige wilde Hunde gibt, kann der Verlust an Schafen sehr hoch sein, da es zu ĂźbermäĂigen TĂśtungen kommen kann. Mitunter wird von extremen Verlusten, die immer grĂśĂer werden, gesprochen (einmal von 2000 toten Schafen in einer Nachtcite-ref-going-104-2[104]).
Laut einem Bericht der Regierung von Queensland kosten wilde Hunde den Staat jährlich ungefähr 30 Millionen Dollar aufgrund von Viehverlusten, Verbreitung von Krankheiten und EindämmungsmaĂnahmen. Verluste fĂźr die Viehwirtschaft alleine wurden auf 18 Millionen Dollar geschätzt.cite-ref-nord-44-3[44] Laut einer Befragung von Viehwirten im Jahre 1995, durchgefĂźhrt vom Park and Wildlife Service, schätzten die Wirte ihre jährlichen Verluste aufgrund wilder Hunde (je nach Distrikt) auf 1,6 % bis 7,1 %.cite-ref-135[135] Trotz der Vielfältigkeit der Schätzungen besteht kaum Zweifel darĂźber, dass RaubzĂźge durch Dingos enorme wirtschaftliche Schäden anrichten kĂśnnen, besonders in der ersten Zeit einer DĂźrreperiode, wenn heimische Beute knapp, aber die Dingoanzahl noch relativ hoch ist. Weiterhin sind wilde Hunde an der Verbreitung von Echinokokkose bei Rindern und Schafen sowie HerzwĂźrmern und Parvoviren bei Haushunden in Menschenhand beteiligt. Eine Infektion mit Echinokokkose fĂźhrt zu der Beschlagnahme der Innereien von 90 % der geschlachteten Rinder in befallenen Gebieten, was zu einem Wertabfall des Fleisches und hohen wirtschaftlichen Verlusten fĂźhrt. Zudem kann gebissenes Vieh nur fĂźr geringere Preise verkauft werden.
In Ostasien und Ozeanien gelten Haushunde als Delikatesse und werden regelmäĂig zum Verzehr getĂśtet. Im Nordosten Thailands werden pro Woche mindestens 200 Dingos getĂśtet und ihr Fleisch auf den Märkten zum Verzehr angeboten. Vor dem Beginn des 20. Jahrhunderts dienten sie auch australischen Ureinwohnern als Nahrung, in der jĂźngsten Zeit gibt es aber keine Berichte mehr Ăźber diese Praktik.cite-ref-canid-5-12[5] Bei den australischen Ureinwohnern galten Dingos daneben als Jagdgefährten (laut Untersuchungen aber nur in bestimmten Regionencite-ref-136[136], in der Regel erscheinen sie dafĂźr unbrauchbarcite-ref-hemmer-94-1[94]), lebende Wärmflaschen, Lagerhunde und deren Kopfhäute als eine Form der Währung. Dies schlieĂt den traditionellen Gebrauch von Zähnen als Halsketten und ihrer Haare fĂźr traditionelle KostĂźme mit ein. In einigen Teilen Australiens werden Prämien fĂźr Dingofelle und Kopfhäute gezahlt. Pelz von Dingos hat aber meist nur einen geringen Wert und eine Ausfuhr dieser Pelze ist in Staaten, wo sie geschĂźtzt sind, verboten. Auch ein groĂflächiges kommerzielles Fangen und TĂśten von Dingos zum Erbeuten der Felle gibt es nicht. Mitunter haben âreineâ Dingos eine Bedeutung fĂźr den Tourismus, wenn sie zum Anlocken von Besuchern genutzt werden. So werden auf Kâgari Bilder und Symbole von Dingos aktiv von der Tourismusindustrie genutzt, um die Insel den Besuchern schmackhaft zu machen. Dingoprofile und PfotenabdrĂźcke werden in den Logos mehrerer Wandergruppen verwendet und sind häufig auf Werbematerial und Touristenwaren zu finden. In diesem Zusammenhang haben Dingos einen sichtbaren und geschätzten Platz, allerdings mĂźssen sie gewisse Erwartungen erfĂźllen, um diesen zu behalten.cite-ref-dualism-56-2[56] Das Erlebnis der persĂśnlichen Interaktion mit Dingos scheint fĂźr Touristen dabei besonders wichtig zu sein und zur Erfahrung dazuzugehĂśren, die die Insel vermittelt. Bilder von Dingos tauchen auf dem GroĂteil der BroschĂźren und vielen Internetseiten und Postkarten auf, die fĂźr die Insel werben.cite-ref-fraser1-37-2[37] Eine Nutzung von Dingo-Urin zur Abschreckung von Kängurus und Wallabys wurde in Betracht gezogen, aber bisher nicht wirtschaftlich umgesetzt.cite-ref-137[137]
Rechtlicher Status
International wurde der Dingo 2004 auf der Roten Liste der gefährdeten Arten als gefährdet eingestuft. Diese Einstufung wurde vorgenommen, da die Zahl der âreinenâ Dingos aufgrund der Vermischung mit anderen Haushunden in der letzten Generation um 30 % abgenommen hat.cite-ref-138[138] Im Commonwealth gilt der Dingo als regulierte einheimische Art unter dem Environment Protection and Biodiversity Conservation Act (1999) und wird daher in den Nationalparks des Commonwealth sowie in Gebieten des Weltnaturerbes und anderen Schutzgebieten unter Schutz gestellt. Das Gesetz erlaubt aber auch, dass Dingos in Gebieten, in denen sie nachweislich einen Einfluss auf die heimische Ăkologie haben, bekämpft werden. Das Gesetz verbietet den Export von Dingos oder deren KĂśrperteilen aus Australien, auĂer in den Fällen, in denen dies durch das Gesetz geregelt ist. Der Dingo gilt hierbei nicht als bedroht. In Australien variiert der rechtliche Status von Dingos und anderen wilden Hunden zwischen den Bundesstaaten und Territorien:cite-ref-nord-44-4[44]
⢠Northern Territory: Der Dingo gilt als geschßtzt unter dem Territory Parks and Wildlife Conservation Act (2000), nicht bedroht und aufgrund seiner Ükologischen Bedeutung als einheimisch. Da die Vermischung mit anderen Haushunden im Northern Territory relativ gering ist, wird ihnen ein bedeutender Schutzwert zugestanden. In agrarwirtschaftlichen Gebieten dßrfen Dingos allerdings bejagt werden, wenn sie eine Gefahr fßr die Viehwirtschaft darstellen.
⢠Western Australia: Dingos und Mischlinge gelten als âausgewiesene Tiereâ unter dem Agriculture and Related Resources Protection Act (1976). Populationen mĂźssen kontrolliert werden und kĂśnnen nur unter bestimmten Bedingungen in Gefangenschaft gehalten werden. EindämmungsmaĂnahmen werden strikt auf viehwirtschaftliche Gebiete begrenzt; andere Haushunde werden grundsätzlich bekämpft. Dingos gelten ebenfalls als âungeschĂźtzte heimische Faunaâ unter dem Western Australian Wildlife Conservation Act (1950). Obwohl nicht geschĂźtzt, werden sie in der Regel in Schutzgebieten nicht ohne Erlaubnis bejagt.
⢠South Australia: Dingos und Mischlinge sind in den Schafgebieten sĂźdlich des Hundezauns âernannteâ Schädlinge unter dem Animal and Plant Control Board (Agricultural Protection and Other Purposes) Act (1986). Sie mĂźssen dort bekämpft werden und kĂśnnen nur in autorisierten Zoos und Wildparks gehalten werden. NĂśrdlich des Hundezauns gelten Dingos als legitime Wildart und auch wenn sie ungeschĂźtzt sind, wird ihnen ein gewisser Schutz auĂerhalb einer 35 Kilometer Puffer-Zone nĂśrdlich des Zauns gewährt.
⢠Queensland: Dingos und Mischlinge gelten als Schädlinge unter dem Land Protection (Pest and Stock Route Management) Act 2002. Alle Landverwalter haben die legale Verpflichtung die Zahlen aller wilden Hunde auf ihren Ländern zu reduzieren. Der Dingo gilt als âWildartâ und âheimische Wildartâ unter dem Nature Conservation Act (1992) und ist eine natĂźrliche Ressource (und daher geschĂźtzt) in Schutzgebieten. AuĂerhalb geschĂźtzter Gebiete gilt der Dingo nicht als âheimisch in Australienâ und wird nicht geschĂźtzt. Dingos und Mischlinge dĂźrfen nur mit ministerialem Einverständnis in Zoos und Wildparks gehalten werden.
⢠New South Wales: Der Rural Lands Protection Act (1998) teilt wilden Hunden den Status von Schädlingen zu und verlangt von Landbesitzern, sie zu dezimieren oder auszurotten. Obgleich der Dingo unter dem National Parks and Wildlife Act (1974) nicht als geschßtzt gilt, wird ihnen in Nationalparks Vollschutz gewährt. Der Dingo gilt als einheimische Art unter dem Threatened Species Conservation Act (1995), da diese Hunde sich bereits vor der europäischen Besiedlung etabliert hatten. Der Wild Dog Destruction Act (1921) beinhaltet Dingos in seiner Definition von wilden Hunden. Dieses Gesetz betrifft nur den westlichen Teil des Bundesstaates, wo Landbesitzer verpflichtet sind, wilde Hunde zu bekämpfen. Das Gesetz verbietet ebenso den Besitz von Dingos in dieser Region, es sei denn, man hat eine gesetzliche Erlaubnis dazu. Anderswo im Bundesstaat kÜnnen Dingos durch den Companion Animals Act (1998) als Haustiere gehalten werden.
⢠Australian Capital Territory: Dingos gelten als geschßtzt unter dem Nature Conservation Act (1980). Auf privatem Land ist eine TÜtung wilder Hunde mit staatlicher Genehmigung erlaubt.
⢠Victoria: Wilde Hunde gelten als âetablierte Schädlingeâ unter dem Catchment and Land Protection Act (1994), und Landbesitzer (auĂer dem Commonwealth) haben auf dem eigenen Land die legale Pflicht, deren Ausbreitung zu verhindern und sie so weit wie mĂśglich auszurotten. Als wilde Hunde gelten dabei alle Dingos, verwilderte Haushunde, âwildgewordeneâ Hunde und Mischlinge (ausgenommen sind anerkannte Mischlingsrassen wie der Australian Cattle Dog)cite-ref-139[139]. Der Domestic (Feral and Nuisance) Animal Act (1994) legt Hundebesitzern die Pflicht auf, diese ständig unter Kontrolle zu haben. Dingos wird ein gewisser Schutz auf Gebieten, die unter die Verwaltung des National Parks Act (1975) fallen, gewährt. Seit 1998 ist es dort mĂśglich, registrierte Dingos zu besitzen.cite-ref-broadcast-58-7[58] Zurzeit besteht die MĂśglichkeit, dass der âreineâ Dingo dort offiziell als geschĂźtzte Art klassifiziert werden kĂśnnte, dies soll laut offiziellen Angaben nicht mit den BekämpfungsmaĂnahmen gegen wilde Hunde in Konflikt stehen.cite-ref-140[140]
⢠Tasmanien: Die Einfuhr von Dingos nach Tasmanien ist unter dem National Parks and Wildlife Act (1970) verboten. Die Bekämpfung von Hunden, die Nutzvieh angreifen, wird unter dem Dog Control Act (1987) behandelt.
BekämpfungsmaĂnahmen
âDingokontrollenâ wurden schon so lange vorgenommen, wie Dingos in Konflikt mit Europäern gerieten, und dieser Euphemismus wird nach wie vor benutzt, um die Ausrottung des Dingos Ăźber weite Teile Australiens zu beschreiben.cite-ref-dualism-56-3[56]
Angriffe von Dingos auf Nutztiere fĂźhrten zu groĂflächigen BemĂźhungen, sie von Gebieten mit intensiver landwirtschaftlicher Produktion fernzuhalten. In den späten 1800er-Jahren hatten alle Staaten und Territorien Gesetze zur Bekämpfung der Dingos erlassen.cite-ref-impact-12-9[12] In den frĂźhen Jahren des 20. Jahrhunderts wurden Zäune errichtet, um Dingos von den Schafzuchtgebieten fernzuhalten. Viehwirte begannen damit, Dingos routinemäĂig auszurotten. In Gebieten der Schafindustrie wurden sogenannte Dogger beschäftigt, speziell um die Anzahl der Dingos durch den Einsatz von Fallen mit Stahlkiefern, FleischkĂśdern, Schusswaffen oder anderen Mitteln zu reduzieren. Die Verantwortung fĂźr die Bekämpfung der Hunde lag bei den Landbesitzern. Zur gleichen Zeit war die Regierung gezwungen, die Dingos zu dezimieren, die aus nicht besetztem Land oder Reservaten kamen und eventuell in Industriegebiete eindringen kĂśnnten. Da Dingos Ăźber weite Strecken zu Gebieten mit reicherem Beutevorkommen wandern, wurde die Bekämpfung besonders an âPfadenâ oder âWegenâ auch in weit entfernten Gebieten konzentriert. Jeder Dingo wurde als potentielle Gefahr angesehen und gejagt.
In den 1920er-Jahren wurde auf Grundlage des Wild dog act (1921) der Dingozaun gebaut, und bis 1931 wurden tausende Meilen an Hundezäunen in mehreren Gebieten in South Australia errichtet. Im Jahr 1946 wurde diesen Bemßhungen ein gemeinsames Ziel gegeben und der Dingozaun wurde endgßltig fertiggestellt. Dieser Zaun vereinigte sich mit anderen Zäunen in New South Wales und Queensland. Die Hauptverantwortung fßr die Instandhaltung des Hundezaunes liegt noch heute bei den Landbesitzern, deren Besitztßmer an den Zaun grenzen und die vom Staat Unterstßtzung bekommen kÜnnen.
Ein Prämiensystem (sowohl lokal als auch von Seiten der Regierung) war zwar von 1836 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in Kraft, dennoch gibt es â trotz der Milliarden von gezahlten Dollars â keine Hinweise darauf, dass es jemals eine effektive Methode zur Eingrenzung war, und die Prämien nahmen mit der Zeit ab.cite-ref-canid-5-13[5]
Die Dezimierung von Dingos aufgrund von Nutzviehschäden nahm gemeinsam mit der Bedeutung der Schafindustrie und dem Einsatz von Strychnin (zuvor 100 Jahre lang genutzt) seit den Siebzigern ab. Ebenso nahm die Anzahl der Dogger ab und die der staatlichen Vergiftungsaktionen mit aus der Luft abgeworfenen KÜdern zu. In dieser Zeit gingen viele Farmer in Westaustralien zur Rinderwirtschaft ßber, und Erkenntnisse auf dem Gebiet der Biologie ermÜglichten effizientere und kostengßnstigere Bekämpfungsstrategien und -techniken, beispielsweise die Verwendung von Natriumfluoracetat (kurz 1080). Das fßhrte zu ersten Befßrchtungen, Dingos kÜnnten lokal aussterben. Umweltschßtzer wandten sich gegen eine wahllose TÜtung von Dingos und forderten auch die Wirkung auf andere Lebewesen zu berßcksichtigen. Untersuchungen ßber die Lebensweise der Dingos fßhrten dann zu der Praxis, KÜder in der Nähe von Wasserstellen, Verstecken und konzentriertem Beutevorkommen auszulegen.
Ständige Populationsreduktionen gelten heute als notwendig, um einerseits den Einfluss wilder Hunde, egal welcher Art, zu beschränken und andererseits das langfristige Ăberleben der âreinenâ Dingos in der Wildnis zu gewährleisten.cite-ref-nord-44-5[44]
Besitzer von Dingos und anderen Haushunden werden mitunter dazu aufgefordert, diese zu sterilisieren und unter Beobachtung zu halten, um die Zahl streunender und verwilderter Haushunde zu reduzieren und eine Vermischung mit Dingos zu verhindern (beispielsweise unter dem Territory Parks and Wildlife Conservation Act (2000)).cite-ref-nord-44-6[44] Zumindest in einigen Gebieten gilt heute bei der Bekämpfung von Dingos das Vorsichtsprinzip, da sie dort voll geschĂźtzt, fĂźr die Aborigines kulturell wichtig sind und noch viele Daten Ăźber die Ăśkologische Bedeutung der Dingos und die Auswirkungen der BekämpfungsmaĂnahmen auf andere Spezies fehlen. Historisch gesehen wurden bei der Bekämpfung von Dingos die Ansichten und BedĂźrfnisse der Einheimischen und deren Kultur nicht zur Kenntnis genommen. Als mĂśgliche LĂśsung fĂźr dieses Problem wird die Einrichtung so genannter âDingoschutzzonenâ gesehen, die hauptsächlich auf bekannten heiligen Dingostätten und âTraumzeitâ-pfaden beruhen. BerĂźcksichtigt werden der genetische Status (der Grad der Vermischung) der Dingos in diesen Gebieten, die Besitzverhältnisse und die Nutzung des Landes. TĂśtungsaktionen sollten nur auĂerhalb dieser Zonen durchgefĂźhrt werden. Landbesitzer werden dazu aufgefordert, regelmäĂig aufzuzeichnen, wo einzelne Dingos und deren Spuren am häufigsten auftreten und den meisten Schaden anrichten. Ebenso sollten Geburten-, Schaden- und Sterblichkeitsraten von Nutzvieh erfasst werden. Die Kontrollen und Untersuchungen zielen darauf ab, Verluste an Nutzvieh zu minimieren, und nicht darauf, Dingos zu schĂźtzen. In Rindergebieten gibt es weniger oder keine BekämpfungsmaĂnahmen und die BemĂźhungen beschränken sich dort meist auf gelegentliche AbschĂźsse und VergiftungsmaĂnahmen. RegierungsĂźberwachter Einsatz von 1080 wird dort nur im Durchschnitt alle drei Jahre durchgefĂźhrt, wenn Feldbeobachtungen die Meldungen der Landbesitzer groĂe Verluste und hohe Dingozahlen belegen.
FleischkÜder mit 1080 gelten als schnellste und sicherste Methode zur Bekämpfung von Hunden, da sie extrem anfällig dafßr sind und schon kleine Mengen des Giftes pro Hund ausreichen (0,3 mg pro kg).cite-ref-nord-44-7[44] Der Einsatz aus der Luft wird innerhalb des Commonwealth durch den Civil Aviation Regulations (1988) geregelt. Die Annahme, dass Riesenbeutelmarder durch GiftkÜder Schaden nehmen kÜnnten, fßhrte dazu, dass die Gebiete, in denen man GiftkÜder aus der Luft abwerfen durfte, kleiner wurden. In den Gebieten, wo das Abwerfen von GiftkÜdern aus der Luft nicht mehr mÜglich ist, ist es notwendig, Fallen zu stellen und GiftkÜder am Boden auszulegen. Wo Stahlfallen oder GiftkÜder nicht eingesetzt werden kÜnnen oder dßrfen (beispielsweise in Wohngebieten), werden Käfigfallen eingesetzt.
Mit Ausnahme der EinfĂźhrung von 1080, das 40 Jahre lang extensiv eingesetzt wurde und auch als âDoggoneâ (deutsch: Hunde-weg) bekannt wurde, haben sich die Mittel und Strategien zur Dezimierung von wilden Hunden mit der Zeit aber nur wenig verändert. Strychnin wird nach wie vor in ganz Australien eingesetzt. Fallenstellen zum Abtransport ist ein essentieller Bestandteil der BekämpfungsmaĂnahmen in den Hochebenen von SĂźdost-New South Wales und Nord-Victoria. Es kommt auch vor, dass Dingos vom PferderĂźcken aus gejagt und geschossen oder dass Prämien fĂźr den Abschuss gezahlt werden. Eine Methode, die allerdings keinen nachweislichen Nutzen hat, ist es, die Leichen von erlegten Hunden entlang der Grenze des eigenen Gebietes aufzuhängen in dem Glauben, dass dies andere wilde Hunde abschrecken wĂźrde.cite-ref-impact-12-10[12] Zum Schutz von Viehherden werden Hunde (Maremmas, Anatolische Hirtenhunde und Pyrenäenberghunde), Esel, Alpakas und Lamas eingesetzt.cite-ref-wilddogs-dingo-89-1[89]cite-ref-141[141] In den letzten Jahren wurden auch Zyanid-Auswerfer und Schutzhalsbänder (die an bestimmten Stellen mit 1080 gefĂźllt sind) getestet.cite-ref-142[142]cite-ref-beefy12-143-0[143] Um wilde Hunde von Gebieten fernzuhalten, werden auch Bestrebungen unternommen, diese Gebiete fĂźr wilde Hunde unattraktiv zu machen, beispielsweise durch eine Entfernung von Essensresten. Eine Bekämpfung Ăźber das bewusste Verbreiten von Krankheiten wird in der Regel nicht in Betracht gezogen. Da typische Hundekrankheiten bereits in der Population vorhanden sind, wären solche Versuche vermutlich nicht erfolgreich, und Hunde in Menschenhand wären ebenso fĂźr diese Krankheiten anfällig. Andere biologische Bekämpfungsmethoden gelten bisher als nicht machbar, da sie mit hohem Risiko auch Hunde in Menschenhand dezimieren wĂźrden.
Die Effektivität von BekämpfungsmaĂnahmen wurde und wird häufig angezweifelt, ebenso, ob sie in einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen. Das Prämiensystem erwies sich als anfällig fĂźr Betrug sowie im groĂen MaĂstab als nutzlos und kann daher hĂśchstens zur gezielten Eliminierung von âProblemhundenâ eingesetzt werden.cite-ref-impact-12-11[12]cite-ref-144[144] Tierfallen werden als inhuman und im groĂen MaĂstab, beispielsweise aufgrund der begrenzten Wirksamkeit der Lockmittel, als ineffizient angesehen. Aufgrund von Untersuchungen vermutet man, dass ohnehin nur Hunde gefangen werden, die auch sonst gestorben wären.cite-ref-western-51-1[51] Zudem sind wilde Hunde sehr lernfähig und kĂśnnen mitunter Fallen gut entdecken und umgehen. Es gibt einen bekannten Fall, in dem eine DingohĂźndin einen Dogger verfolgte und dessen Fallen nacheinander auslĂśste, indem sie vorsichtig ihre Vorderpfote durch den Sand schob, unter dem die Falle lag.cite-ref-cunning-126-1[126] GiftkĂśder kĂśnnen bei entsprechend guter Fleischqualität sehr effektiv sein, sie wirken jedoch nicht lange vor und werden nachweislich auch von RotfĂźchsen, Riesenbeutelmardern, Ameisen und VĂśgeln angenommen. Beuteltiere haben zwar eine hĂśhere Toleranz gegen 1080, bei vielen wird der Vorteil dieser Resistenz aber aufgrund ihrer geringen GrĂśĂe wieder verringert.cite-ref-145[145] BezĂźglich der Anfälligkeit von Riesenbeutelmardern konnten bei Studien in New South Wales keine Auswirkungen von mit 1080 präparierten KĂśdern auf deren Populationen beobachtet werden.cite-ref-146[146] Nach Untersuchungen bezĂźglich zweier anderer Arten halten Forscher es fĂźr unwahrscheinlich, dass BekämpfungsmaĂnahmen mit GiftkĂśdern auf jene Arten Auswirkungen haben.cite-ref-147[147]
Zwar werden die meisten KĂśder innerhalb weniger Tage aufgenommen, es gibt aber auch Berichte von KĂśdern, die noch nach Monaten ihre Giftigkeit nicht verloren hatten und eine Gefahrenquelle darstellten.cite-ref-148[148] Das Auslegen von KĂśdern aus der Luft kann aber zu einem fast vĂślligen ErlĂśschen einer Dingopopulation fĂźhren.cite-ref-western-51-2[51] Herdenschutzhunde kĂśnnen zwar Schäden erfolgreich minimieren, sind aber auf groĂen Gebieten mit weit verteilten Viehbeständen weniger effektiv und kĂśnnen aufgrund von Nachlässigkeit der Besitzer selbst zur Gefahr fĂźr das Nutzvieh werden oder selbst TĂśtungsmaĂnahmen zum Opfer fallen.cite-ref-beefy12-143-1[143] Zäune kĂśnnen zuverlässig wilde Hunde davon abhalten, bestimmte Gebiete zu betreten, sie sind jedoch teuer im Bau und benĂśtigen ständige Reparaturen. Zudem bewirken Zäune lediglich, dass das Problem verlagert wird.
Laut Untersuchungen kĂśnnen BekämpfungsmaĂnahmen zwar eine Population von wild lebenden Hunden um 66 bis 84 % reduzieren, die Population kann allerdings innerhalb eines Jahres und je nach Jahreszeit schnell, beispielsweise durch Zuwanderung, wieder die alte Stärke erreichen. Wenn Ăźberhaupt, wäre nur eine zusammenhängende koordinierte Bekämpfung in allen Gebieten auf Dauer effizient.cite-ref-save-124-1[124] BekämpfungsmaĂnahmen resultieren hauptsächlich in kleineren Rudeln beziehungsweise in der Sprengung der Rudelstrukturcite-ref-149[149]. Die MaĂnahmen scheinen sogar fĂźr die Viehwirtschaft eher schädlich zu sein, weil die leeren Gebiete von jungen Hunden besetzt werden und die RaubzĂźge so zunehmen. Laut Untersuchungen an wilden Hunden in den Siedlungsbereichen des SĂźdostens von Queensland wĂźrde eine gezielte Bekämpfung von Junghunden mit gleichzeitiger Verschonung der Leithunde mehr bringen, da die entsprechenden Gebiete von den Leithunden besetzt bleiben und keine neuen Hunde zuwandern kĂśnnten.cite-ref-150[150] Zudem gibt es Hinweise, dass instabile Dingopopulationen auch instabile Populationen anderer heimischer Arten zur Folge haben.cite-ref-bait-121-1[121] Trotz allem gilt als unwahrscheinlich, dass der Dingo in Zentralaustralien jemals durch BekämpfungsmaĂnahmen ganz ausgerottet werden kann oder dass die AuslĂśschung aller wilden Hunde eine realistische Option sei.
Schutz
Als Hauptbedrohung fßr den Dingo gelten Habitatzerstßckelung, Habitatveränderung und die Vermischung mit anderen Haushunden.cite-ref-151[151]
Einen offiziellen Schutz und Schutzgebiete fĂźr âreineâ Dingos gibt es nur in Australien. Alle anderen wilden Hunde gelten als Schädlinge. Allerdings wird allen wildlebenden Hunden in Schutzzonen derselbe Schutz gewährt, da eine separate Handhabe nicht mĂśglich ist.cite-ref-hunting-38-1[38] Als âgesetzlich geschĂźtztâ gelten australische Dingos dort nur in Nationalparks, Naturreservaten, im Arnhemland Aborigine Reservat und Naturparks im Northern Territory, Nationalparks und Reservaten in New South Wales, Nationalparks in Victoria und im ganzen Australian Capital Territory. Obgleich sie dort und in Gebieten des UNESCO-Welterbes und in Aborigine-Reservaten geschĂźtzt sind, gelten Dingos als âausgewieseneâ Schädlinge im GroĂteil ihres verbliebenen Verbreitungsgebietes, und Landbesitzer sind verpflichtet, die dortigen Populationen zu bekämpfen. Dieser Zustand ist allerdings noch relativ neu. Vor den 1970er-Jahren wurden Dingos fast ausschlieĂlich als Schädlinge angesehen.cite-ref-dualism-56-4[56]
Die Dingos der Insel Kâgari gelten als sehr wichtig fĂźr den Schutz der Dingos, da sie aufgrund ihrer geographischen und genetischen Isolation oft als die âreinsteâ Population und damit als den ursprĂźnglichen Dingos am ähnlichsten gelten. Angeblich sollen die Dingos dort nicht von Vermischung mit anderen Haushunden âbedrohtâ sein.
Gruppen, die sich dem Erhalt der âreinenâ Dingos durch Zuchtprogramme verschrieben haben, sind zum Beispiel die Australian Native Dog Conservation Society und die Australian Dingo Conservation Association. Die BemĂźhungen der Dingo-Erhaltungs-Vereine in Australien gelten zurzeit aber als ineffektiv, da die meisten ihrer Hunde nicht getestet wurden oder als Mischlinge bekannt sind.cite-ref-canid-5-14[5]
Das Hauptaugenmerk beim Schutz der Dingos liegt beim Aufhalten der Vermischung mit anderen Haushunden. Der Schutz vor Vermischung ist extrem schwierig und kostenintensiv und SchutzbemĂźhungen werden dadurch erschwert, dass nicht genau bekannt ist, wie viele âreineâ Dingos es in Australien noch gibt und dass die SchutzbemĂźhungen mit BekämpfungsmaĂnahmen in Konflikt treten. Schritte, um âreineâ Dingos zu erhalten, kĂśnnen nur wirksam sein, wenn auch zuverlässig zwischen Dingos und anderen Haushunden (speziell bei lebenden Individuen) unterschieden werden kann. Ein Schutz von âreinenâ und Ăźberlebensfähigen Dingopopulationen gilt als vielversprechend in abgelegenen Gebieten, wo der Kontakt zu Menschen und vor allem zu anderen Haushunden selten ist. In Parks, Reservaten und anderen nicht landwirtschaftlich genutzten Gebieten sollen diese Populationen nur bekämpft werden, wenn sie eine Gefahr fĂźr das Ăberleben anderer heimischer Fauna darstellen. Als realistisch gilt die Einrichtung von âhundefreienâ Pufferzonen um Gebiete mit âreinenâ Dingopopulationen, um eine Vermischung zu verhindern. Im Moment wird dies dadurch umgesetzt, dass alle wilden Hunde auĂerhalb von Schutzgebieten getĂśtet werden kĂśnnen. Untersuchungen aus dem Jahr 2007 deuten allerdings darauf hin, dass selbst eine intensive Kontrolle von Kerngebieten den Prozess der Vermischung wahrscheinlich nicht aufhalten kann.cite-ref-152[152]
Bisher gibt es keine genauen Informationen darĂźber, wie die Ansichten der breiten Ăffentlichkeit in Australien gegenĂźber dem Schutz der Dingos sind. Zudem gibt es keine Einheit darĂźber, ab wann ein Hund als âreinerâ Dingo akzeptiert werden soll und inwieweit man diese kontrollieren sollte.cite-ref-defpure-79-1[79]
Der Dingo als Haustier
Ăber die Haltung von Dingos als Haustier gibt es unterschiedliche Meinungen: Kritiker halten den Dingo auf keinen Fall fĂźr geeignetcite-ref-symposium2-153-0[153], BefĂźrworter sehen keinen Unterschied zu anderen Haushunden. Dingos kĂśnnten demnach als Hunderasse anerkannt werden und die Domestikation wäre ein Weg, den âreinenâ Dingo zu erhalten.cite-ref-154[154]
Dingos kĂśnnen bei häufigem Kontakt mit Menschen sehr zahm werdencite-ref-doritausdruck-20-5[20] und zeigen weniger Scheu als GrauwĂślfe.cite-ref-riepe-74-1[74] Zudem lebten und leben Menschen mit Dingos zusammen. Bereits die australischen Ureinwohner und die ersten Kolonialisten hielten Dingos als Haushunde, jedoch ohne sie im groĂen Stil zu zĂźchten oder abzurichten.cite-ref-symposium1-13-2[13] Alfred Brehm berichtete einerseits von vĂśllig zahmen Dingos, die sich im Verhalten nicht von anderen Haushunden unterschieden und sogar erfolgreich zum HĂźten von GroĂvieh eingesetzt wurden. Andererseits beschreibt er Dingos, die wild und scheu blieben. Zu Berichten Ăźber vĂśllig unkontrollierbare und aggressive Dingos meinte er, dass man ihnen nicht mehr âBeachtung schenken darf als sie verdienenâ, da es darauf ankomme, wie ein Dingo von frĂźhester Jugend an gehalten wird. Er war auch der Ansicht, dass sich aus diesen Hunden sehr ansehnliche Haustiere machen lieĂen.cite-ref-brehm-19-2[19]
Laut Eberhard Trumler sind Dingos sehr klug und anhänglich. Er rät von der Haltung ab, wenn kein ausreichend groĂes und ausbruchssicheres Gehege und kein Partner des anderen Geschlechts zur VerfĂźgung gestellt werden kann. Dingos seien ungern alleinecite-ref-hundaufdu-49-1[49] und lieĂen sich während der Läufigkeit noch schwieriger halten als andere Haushunde. Ihre Anhänglichkeit schaffe Probleme, da sie einem Ăźberall hin folgen wĂźrden. Die Ausbildungsfähigkeit sei mit hoher Lernfreudigkeit und Auffassungsgabe verbunden, hĂśre aber beim geringsten Zwang auf. Ebenso kĂśnnten sie wie andere Haushunde stubenrein werden.cite-ref-freunde-55-1[55] Weiterhin haben sie einen enormen Bewegungsdrang.cite-ref-155[155] Er nahm an, dass es nur in Ausnahmefällen gelänge, âhaushundähnliches Verhaltenâ aufzubauen, und berichtete auch von sehr enger Bindung und Gefolgstreue bei guter Erziehung.cite-ref-156[156]
1976 wurde die âAustralische Naturhund-Ausbildungs-Gesellschaft von New South Wales e. V.â (Australian Native Dog Training Society of N.S.W. Ltd.) gegrĂźndet. Sie galt damals als illegal, weil die Haltung von Dingos verboten war. Offiziell als Australiens nationale Rasse anerkannt wurde der Dingo Mitte 1994 vom Australian National Kennel Council, ein Zuchtstandard wurde ein Jahr später herausgegeben. Dies berechtigt aber nicht zum Besitz von Dingos in Staaten, in denen Besitz, Zucht oder Verkauf dieser Hunde verboten ist.cite-ref-freunde-55-2[55]
Heute werden Dingos sowohl von Privatpersonen als auch von Vereinen in Australien und den USA gezßchtet. In Deutschland werden Dingos unter anderem im Tierpark Berlincite-ref-157[157], auf der Trumler-Station Wolfswinkelcite-ref-158[158] und im Tierpark Sättelstädtcite-ref-159[159] gehalten.
Es ist von Land zu Land, innerhalb Australiens auch von Staat zu Staat, unterschiedlich, ob Dingos als Haustiere gehalten werden dĂźrfen oder nicht. In SĂźdaustralien zum Beispiel dĂźrfen Dingos nur in speziell autorisierten Zoos, Zirkussen und Forschungsinstituten gehalten werden. Besitz, geplante Domestikation oder kommerzielle Nutzung der Dingos gilt dort als nicht akzeptabel, da dies zur WiedereinfĂźhrung von Dingos in Schafgebieten und damit zu Gefahren fĂźr Schafe fĂźhren wĂźrde.
Der Dingo wird von der internationalen Zuchtorganisation fĂźr Haushunde (FCI) nicht als Hunderasse anerkannt. Anders wird der Dingo dagegen von der American Rare Breed Association (ARBA) bewertet, wo er in der Gruppe âSpitze und Primitiveâ (Spitz and Primitive Group) gefĂźhrt wird. Ebenso wird der Dingo auch vom australischen HundezĂźchterverband Australian National Kennel Council (ANKC) in der Gruppe 4 gelistet.cite-ref-160[160]
Ziele
Zuchtprogramme gelten als beste MĂśglichkeit, um eine langfristige Existenz des Australischen Dingos in seiner âreinenâ Form zu gewährleisten, mitunter mit dem Ziel, sie später wieder auszuwildern.cite-ref-symposium2-153-1[153] Ziel der Reklassifizierung zum Haustier in New South Wales im Jahr 1998 war ursprĂźnglich, Dingos vor dem Aussterben zu bewahren.
Daneben sollen durch die Zucht aber auch Dingos produziert werden, um sie zu verkaufen beziehungsweise später als Arbeitshunde einzusetzen. Erste Bemßhungen, Dingos beim Zoll einzusetzen, gab es schon 1976 in Victoria. Kritiker halten es fßr mÜglich, dass diese Hunde Mischlinge aus Dingo und Schäferhund waren.cite-ref-freunde-55-3[55]
Kritik
Die Haltung der Dingos als Haustier und die daraus resultierende Zucht wird von mehreren Seiten kritisiert.
Ein Kritikpunkt ist, dass Dingo-Erhaltungs-Vereine, Dingo-âFarmenâ und Gesetzgebung zum legalen Besitz von Dingos fĂźr Menschen in der Ăffentlichkeit den Fortbestand der âreinenâ Dingos bedrohen: Die meisten dieser Zuchten wĂźrden den Vermischungsprozess effektiv vorantreiben, wenn die Bestimmungen eines âreinenâ Dingos nicht absolut korrekt sind oder Mischlinge als âreineâ Dingos verkauft wĂźrden.cite-ref-canid-5-15[5]
Auch BefĂźrworter sehen die Zucht zur Erhaltung des âreinenâ Dingos skeptisch. Der Erhalt einer Population, die fĂźr eine spätere Auswilderung geeignet ist, ist mit Schwierigkeiten verbunden.cite-ref-161[161] Laut David Jenkins sei die Zucht und WiedereinfĂźhrung âreinerâ Dingos aufgrund ihrer starken territorialen Natur schwierig. Es gäbe keine Untersuchungen zu diesem Thema, insbesondere bei existierenden Dingo-Populationen.cite-ref-162[162]
Weiterer Kritikpunkt ist die Gefahr, dass ZĂźchter mit Individuen zĂźchten, die leichter zu handhaben sind. Dadurch kann eine zahmere Population entstehen, die fĂźr das Leben in der Wildnis weniger geeignet ist als ihre Vorfahren. Ebenso kann es aufgrund einer anfänglich kleinen Population zum Verlust genetischer Variabilität und damit zu einer hĂśheren Anfälligkeit fĂźr bestimmte Krankheiten kommen. Ebenso kĂśnnen negative Veränderungen allein aufgrund der Haltung in Gefangenschaft auftreten. Zudem kĂśnnen in der Wildnis Ăźberlebenswichtige Merkmale unter Domestikationsbedingungen nicht mehr ausreichend eingeĂźbt werden und ânachlassenâ, zum Beispiel Fertigkeiten zur Jagd.cite-ref-163[163]
Kritiker sind der Ansicht, dass sich erwachsene Dingos nicht als Haustiere wie andere Haushunde eignen wĂźrden. Dingos dächten selbstständiger und die Domestikation sei schwieriger. Dingos seien scheu, mit steigendem Alter wĂźrden ihre aggressiven Instinkte die Oberhand gewinnen, Angriffe auf Menschen wahrscheinlicher werden und sie wĂźrden meist weglaufen.cite-ref-symposium2-153-2[153] Zudem kĂśnnten die meisten Halter die BedĂźrfnisse von Dingos nicht erfĂźllen und Dingos reagierten nicht gut auf Domestikation und Training. Nur wenige Dingos und Dingomischlinge erreichten ein hohes Alter, da die Besitzer nicht wĂźssten, wie mit ihnen umzugehen sei. Ein nicht sozialisierter Dingo sei schwer zu kontrollieren. Um Dingos als Haustier âpassenderâ zu machen, wĂźrden sie mit anderen Haushunden gekreuzt.cite-ref-dingoext-131-1[131]
Auch die Zucht von Dingos selbst steht in der Kritik. Laurie Corbett argumentierte, wenn fĂźr Dingos Rassestandards und typische Merkmale festgelegt und sie auf diese gezĂźchtet werden, wĂźrden sie keine Dingos bleiben, sondern zu einer neuen Hunderasse werden.cite-ref-164[164] Weiterhin wird befĂźrchtet, dass Dingos, die zum Gegenstand von Hundeausstellungen werden, mit den gleichen Gesundheitsproblemen konfrontiert wĂźrden wie andere Hunden der Ausstellungslinien.cite-ref-165[165] Bereits in den 1970er-Jahren äuĂerte Eberhard Trumler seine Bedenken gegenĂźber der Klassifizierung des Dingos als Rassehund und dem Aufstellen eines Rassestandards. Er fĂźrchtete, dass die Australische Regierung den wildlebenden Dingos nicht mehr den notwendigen Schutz zukommen lassen wĂźrde, wenn sie weltweit als Hunderasse anerkannt wĂźrden. Zudem wisse er aus eigenen Versuchen, wie schnell mangelnde Zuchtauslese auch beim Dingo zu degenerativen Ansätzen fĂźhrt (z. B. RutenverkĂźrzungen, erhĂśhte Welpensterblichkeit und Schwächung der Ohrknorpel nach fĂźnf Generationen von Geschwisterverpaarung).cite-ref-166[166]
Angriffe auf Menschen
Als GroĂraubtiere kĂśnnen wilde Hunde einem Menschen durchaus gefährlich werden. Besonders im Mittelpunkt des Interesses steht bei dieser Thematik die Sandinsel Kâgari, da die Zahl der Interaktionen von Menschen und Dingos dort aufgrund des Tourismus sehr hoch ist und die meisten Berichte daher von dort kommen.
Ursachen
Ob wilde Hunde fĂźr Menschen eine Gefahr darstellen, hängt zu einem groĂen Teil davon ab, wie sich Menschen gegenĂźber diesen Hunden verhalten. Je häufiger die Hunde gefĂźttert werden oder Essensreste vorfinden, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie sämtliche Vorsicht vor Menschen verlieren und in manchen Fällen aggressiv reagieren, wenn sie keine Nahrung mehr vorfinden.
Bei einer Studie Ăźber die Dingos auf Kâgari kamen die Forscher zu dem Schluss, dass die Anwesenheit von Menschen die Aktivitäten der Dingos beeinflusst. Durch die dortige Tourismusindustrie wurde gefĂśrdert, dass sich Menschen Dingos ohne Vorsicht nähern, und solche Begegnungen wurden von den Besuchern fĂśrmlich erwartet. Die Menschen verloren zunehmend ihre Vorsicht im Umgang mit Dingos und die Berichte Ăźber Zwischenfälle nahmen zu. Die Art und Weise, wie sich Dingos gegenĂźber Menschen verhielten, war abhängig von der Reaktion der Menschen auf die Dingos. Dingos zeigten eher aggressives Verhalten, wenn Menschen davonliefen, und zeigten sich eher eingeschĂźchtert, wenn diese sich selbstbewusst oder aggressiv auf die Dingos zubewegten. Eine unterwĂźrfige Haltung der Menschen schien eine neutrale oder unterwĂźrfige Reaktion der Dingos zu verursachen. Dass Dingos gegenĂźber Menschen aggressives Verhalten zeigen, scheint zu verschiedenen Zeiten im Jahr gleich wahrscheinlich zu sein. Allerdings kĂśnnten erwachsene Dingos während der Paarungszeit am gefährlichsten sein und weibliche Dingos besonders dann, wenn sie Welpen aufziehen.
Auch wenn eine GewĂśhnung an Menschen auf unterschiedliche Weise die grundlegende Ursache fĂźr Angriffe zu sein scheint, ist es nicht klar, was letztendlich die GrĂźnde und AuslĂśser fĂźr Angriffe und Drohungen gegenĂźber Menschen ist. MĂśglicherweise resultieren einige Angriffe durch das âSpielenâ von Welpen, speziell mit Kindern. Angriffe kĂśnnten ebenfalls durch falsche Reaktionen von Menschen auf Dominanz- und Aggressionsverhalten von Dingos ausgelĂśst werden. Es wird angenommen, dass einige Dingos dazu Ăźbergegangen sein kĂśnnten, âmenschlicheâ Nahrungsquellen (MĂźllbehälter, Abfälle, Almosen und so weiter) als Teil ihres Territoriums zu betrachten, und dass somit auch Angriffe dadurch entstehen kĂśnnen, dass diese Hunde die Nahrungsquellen verteidigen, weil sie gewisse Menschen als Nahrungskonkurrenten ansehen. Dass manche Dingos Menschen als Beute ansehen kĂśnnten, wird ebenfalls fĂźr mĂśglich gehalten, weil Menschen, insbesondere Kinder, theoretisch Ăźberwältigt werden kĂśnnen.cite-ref-fraser1-37-3[37]cite-ref-risk-167-0[167]
Bekannte Fälle
Dass Dingos Kinder angreifen, ist bekannt, und bereits 1961 gab es einen dokumentierten Fall, in dem ein halbzahmer Dingo ein einjähriges Aborigine-Kind davonschleppte.cite-ref-168[168]
Der erste gut dokumentierte Fall eines Dingoangriffes auf Kâgari stammt aus dem Jahr 1988. Bereits 60 Jahre zuvor erwähnte ein Zeitungsbericht Probleme mit Dingos auf der Insel. Zwischen 1996 und 2001 wurden insgesamt 279 Zwischenfälle mit Dingos bekannt, von denen 39 als âschwerâ und einer als âkatastrophalâ eingestuft wurden.cite-ref-fraser2-36-1[36]
Zwei Berichte von Angriffen durch Dingos auf Menschen erregten besondere Aufmerksamkeit:
⢠Am 19. August 1980 wurde die zehn Wochen alte Azaria Chamberlain von einem Dingo nahe dem Uluášu verschleppt und getĂśtet.cite-ref-northern1-24-2[24] Die Mutter des Kindes wurde damals wegen Mordes an ihrer Tochter verdächtigt und verurteilt, vier Jahre später freigelassen, als ihre Unschuld durch den Fund der Jacke des Kindes in einer DingohĂśhle als bewiesen galt (den KĂśrper des Kindes fand man nicht). Die Geschichte wurde 1988 unter dem Titel A Cry in the Dark (dt. Titel Ein Schrei in der Dunkelheit) mit Meryl Streep verfilmt.cite-ref-169[169]cite-ref-170[170]
⢠Am 30. April 2001 wurde der neunjährige Clinton Gage bei Waddy Point auf Fraser Island von Dingos angegriffen und getÜtet. Der Vorfall und die TÜtung von 31 Dingos danach sorgten fßr starken Aufschrei in der BevÜlkerung, es gab mehrere Proteste und den Vorschlag, Zäune zu errichten. Der Vorfall schien auf den Tourismus aber wenig Einfluss gehabt zu haben und manche Touristen fßhlten sich aufgrund der erhÜhten Präsenz von Rangern danach sogar sicherer.
Reaktionen
Um besser auf Dingoangriffe reagieren zu kĂśnnen, wird eine verbesserte Erfassung von problematischen Fällen verlangt. Ebenso sollen zur Steigerung der Angst gegenĂźber Menschen nicht-tĂśdliche Projektilwaffen, Spraydosen mit entsprechendem Inhalt, Stockpeitsche und aversive KĂśder gegen Dingos eingesetzt werden. âProblem-Dingosâ sollen getĂśtet werden, da sich Versuche von Umsiedlungen als ineffektiv herausstellten.
Das Verhalten der Menschen kann diese Methoden jedoch unterminieren, weshalb das Hauptaugenmerk darauf liegt, das Verhalten der Menschen zu beeinflussen. Warnschilder, wie beispielsweise âGefahr Dingosâ, haben trotz ihrer groĂen Anzahl auf Kâgari mittlerweile ihre Wirkung verloren. Zudem wissen viele Menschen nicht, wie anpassungsfähig und schnell Dingos sind. Sie bleiben daher nicht achtsam genug und rechnen beispielsweise nicht damit, dass Dingos auch Nahrungsmittel wie FrĂźchte und GemĂźse stehlen. Zudem sollen Touristen in einigen Parks von der Vielzahl von Vorschriften verwirrt sein und werden in einigen Fällen sogar dazu aufgefordert, Wildtiere zu fĂźttern.cite-ref-fraser2-36-2[36]cite-ref-fraser1-37-4[37]cite-ref-nord-44-8[44]cite-ref-risk-167-1[167]
Literatur
Deutsch
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⢠Heike Rudolph: Beitrag zum Sozialverhalten des Australischen Dingos (Canis lupus f. familiaris). Kiel 2007, OCLC 255957383 (Diplomarbeit Universität Kiel 2007, 118 Seiten).
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Englisch
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Weblinks
Commons
: Dingo
â Album mit Bildern
⢠Internetseite der Trumlerstation (die sich auch mit der Erforschung von australischen Dingos befasst)
⢠Beschreibung des Dingos auf der Website der Canid Specialist Group (CSG) der International Union for the Conservation of Nature (IUCN)
⢠Pat Shipman: Der mysteriÜse Dingo. Artikel bei spektrum.de, 22. Oktober 2021.
Belege
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